Conversationslexicon für Bildende Kunst (1844) / t_708

Dillis, Georg von, namhaft als Ordner der Münchner Pinakothek und der andern kö­nigl. bairischen Kunstsammlungen, stammt von einer armen Jägerfamilie und ward 1759 in der Giebinger Einöde Pfarramts Schwindkirchen in Oberbalern geboren. Der Kurfürst Maximilian der Dritte Hess ihn, den Aeltesten unter vielen Geschwis­tern, in München erziehen, und bestimmte ihn, da der Jüngling während des Be­suchs gelehrter Schulen seine Hauptneigung für das Zeichnen entwickelte, zum Künstler. Freilich hörte mit dem Ableben des grossmüthigen Fürsten die Unterstüt­zung auf und Dillis musste sich auf der Universität Ingolstadt der Theologie in den Arm werfen und dem Priesterstand widmen. Doch entzog er sich dem geistlosen geistlichen Leben wieder, indem er bald nach München zurückging, wo er die Ue­bung im Zeichnen fortsetzte und die Malerakademie besuchte.

Er sicherte sich sein Auskommen durch Unterrichtgeben im Zeichnen, wodurch er den ersten Familien Münchens bekannt wurde. Namentlich ward er in der gräfli­chen Familie Freysing heimisch und so sehen wir ihn im J. 1788 in Gesellschaft des jungen Grafen die Schweiz durchreisen. Auf dem Rückwege über Strassburg, wo Maximilian Joseph, Pfalzgraf von Zweibrücken, als Oberst in französischen Diens­ten sich aufhielt, zeichnete er das Porträt des zweijährigen Prinzen Ludwig, jetzigen Kroninhabers von Baiern, und stach es in Kupfer. Als er dann mit dem Grafensohne die Rheingegenden bereiste, ward er mit Ferdinand Kobell bekannt und erhielt von diesem Anleitung im Oelmalen.

Vielfach empfohlen ward Dillis hierauf (im J. 1790) durch den Kurfürsten Karl Theo­dor zum Inspector der Münchner Gallerie ernannt; bald erhielt er aber durch Ver­mittlung des edlen Grafen Rumford längeren Urlaub und die nöthigen Mittel zu Reisen nach Dresden, Prag und Wien, um die berühmten Kunstschätze jener Städte studiren zu können. Nachdem er hier die Gallerien durchmustert hatte, beschloss er als Begleiter und Kunstführer mit dem Engläoder Gilbert Elliot eine Reise durch Italien zu machen, und schon war er in Livorno angekommen, als ihn die Hiobspost traf, dass Elliot zum Vicekönig auf Korfu ernannt sei. Indess konnte Dillis die Reise auf Kosten desselben allein fortsetzen und so seinen sehnlichsten Wunsch befriedi­gen.

Nach München zurückgekebrt (1796) musste er, da eben die französischen Heere ins Baierland vordrangen, eilig die Einpackung der Kunstschütze betreiben und die Fortschaffung derselben nach Linz besorgen. Nach neun Monaten brachte er die kön. Sammlungen wohlerhalten wieder nach München. Nach Wiederaufstellung derselben begleitete er den Lord Ossulton auf einer Reise durch die Schweiz, und diese Tour war es vornehmlich, wo er äusserst fleissig der Landschaftszeichnung oblag.

Das J. 1800 rief ihn nach München zurück; es galt jetzt abermals, die kön. Kunst­schätze zu retten, welche er diesmal auf das neutrale preussische Gebiet und zwar nach Ansbach schaffte, wohin sich auch der ihm sehr wohlwollende Maximilian Jo­seph geflüchtet hatte. Im J. 1805 sehen wir Ihn mit seinem Bruder Cantius Dillis nach Rom wandern; im folg. Jahre aber ging Georg nach Paris, um die im grossen napoleonischen Museum aufgehäuften Kunstschätze zu studiren und zugleich dem Kronprinzen Ludwig v. Baiern zum Kunstführer zu dienen. Dann begleitete er den Kronprinzen durch die Schweiz, durch das mittägige Frankreich und nach Spanien, wo er für denselben die schönsten Gegenden und merkwürdigsten Gegenstände aufnahm. Wegen seiner kunstgeschichtlichen Kenntnisse und seiner Kunstbildung überhaupt erhielt er bei Aufhebung der bairischen Klöster den königlichen Auftrag, die vorzüglichsten Gemälde aus den Klöstern und Klosterkirchen für die königl. Sammlungen auszuwählen, und 1808 besuchte er im Auftrag des Königs Italien, um gute Gemäldeerwerbungen zu machen, bei welcher Gelegenheit er auch das be­rühmte Seibstporträt Raffaels aus dem Palaste Altoviti für die bairische Gallerie er­warb.

1811 ward er vom Kronprinzen nach Verona gesandt, um die plastischen Kunstwer­ke aus dem Palaste Bevilaqua anzukaufen; auch besorgte er ein ähnliches Geschäft in Rom. Im J. 1815 ging er als kön. Abgesandter nach Paris, um die durch Napole­on und seinen Helfershelfer Denon aus Baiern entführten Kunstwerke zurückzufor­dern, zugleich aber auch, um mehre andre hier neu zu erwerben. Dann finden wir Dillis in den J. 1817 und 18 als kronprinzlichen Reisebegleiter in Italien und Sicilien, wo er für den Königssohn viele Zeichnungen nach griechischen Denkmalen anfer­tigte. Hierauf ordnete er die Bilderschätze der kön. Schlösser zu Würzburg und Aschaffenburg, und trat nach dem Tode des Galleriedirektors Mannlich 1822 in die Stellung als Centralgalleriedirektor zu München ein. Im J. 1829 richtete er im Auf­trage König Ludwigs die Moritzkapelle zu Nürnberg mit Gemälden altdeutscher, sowohl ober- als niederdeutscher Künstler aus dem 15. und 16. Jahrh. zu einem Bil­dersaale ein, der für das Studium unsrer Kunstgeschichte einen höchst wichtigen Haltpunkt darbietet. Später hatte er sich der grossen Aufgabe der Auswahl, Anord­nung und Aufstellung der Gemälde in den Bildersälen der neuen Münchner Pinako­thek zu unterziehen.

Sein Tod erfolgte 1841. Seine künstlerische Hinterlassenschaft besteht in mehren trefflichen Gemälden und vielen Handzeichnungen, sowie in einigen meisterhaften Radirungen, welche geistreiche Landschaftsdarstellungen enthalten. Nach ihm hat Eckeman 2 Bl. Landschaften (gr. Fol.) und Zeis 2 Bl. dergleichen mit Wasserfällen (Fol.) in Steinzeichnung wiedergegeben.

Conversationslexicon für Bildende Kunst. Leipzig, 1844.


13-02-22/23 (Dillis)