Conversationslexicon für Bildende Kunst (1844) / t_703

Dillis, Cantius, geb. 1779 zu Grüngiebing in Oberbaiern, bildete sich in München unter Leitung seines Bruders Georg zum Maler, entschied sich für das Landschafts­fach und machte zum Behuf unmittelbarer Naturstudien fleissige Streifzüge durch die heimath­lichen Gebirge sowie mehrfache Ausflüge nach Italien. Gleich seinem Dresdener Stre­bens­genossen Stange schildert er am Liebsten heimliche abgeschie­dene Holzthäler, welche ein trautes Plätzchen für den Freund der Waldeinsamkeit gewähren, wo die zit­tern­den Sonnenstralen hie und da durch das dichte Laub schimmern, nirgends aber oder doch selten nur eine Fernsicht sich öffnet, sondern nur der blaue Himmel sich über dem Sinnenden wölbt. Solche abgeschlossene Ge­genden stellt er in Bildern kleinen For­mats auf zarte Weise dar. Seine Gemälde (mögen sie nun solche Wald­ein­sam­keits­stel­len vorführen oder laubenähnliche Walddurchgänge oder auch Sandhügel und Bergrücken sammt deren mannichfalti­gen Kräutern schildern) weiss er stets in bedeutsamer Be­leuchtung zu halten, wo­mit er denselben gleichsam den wahren Lebenshauch verleiht.

Conversationslexicon für Bildende Kunst. Leipzig, 1844.


13-02-22/23 (Dillis)