Conversationslexicon für Bildende Kunst (1843) / t_1692

Adler, Christian, eine Notabilität unter den Schmelzmalern, ist 1787 in Triesdorf bei Ansbach geboren und war der Sohn eines markgräfl. Gestütmeisters. Im Jahre 1804 kam Christian in das Atelier des Ansbacher Professors Naumann, wo er den Grund im Zeichnen und Malen legte, und warf sich 1808 auf die Porzellanmalerei. Nach seinem Besuche mehrerer Porzellanfabriken ward er 1811 bei der Nymphen­burger Anstalt placirt, benutzte aber daneben ein Triennium lang sehr fleissig die Münchner Akademie. Adler ward 1815 an Anton Auer’s Stelle Obermaler und In­spector der Malerei bei der königl. Porzellanmanufactur, wo er seitdem jene präch­tigen Vasen- und Plattengemälde schuf, die seinen wie der Anstalt Namen durch Europa verbreiteten. Er übernahm jenen dem zu früh verstorbenen Anton Auer vom damaligen Kronprinzen Ludwig gegebenen Auftrag zur Ausführung eines grossen Services, wo auf Tellern und Platten die ausgezeichnetsten Malerwerke der königl. Gallerte in sorgfältigster Nachbildung dargestellt werden sollten. Eine sol­che Aufgabe war wohl geeignet, die ganze Kunstkraft eines Adlers zu wecken. Er wirkt im Vereine mit andern Kräften (Max Auer d. S., Heinzmann, le Feubure, Krist­feld etc.) noch heute für die Vollführung dieser weitgesteckten königlichen Aufga­be, und die von seiner eignen Hand datirenden Gemäldecopien auf Porzellan sind so frei, kräftig und treu gearbeitet, dass sie seine Meisterschaft in diesem Maler­zweige auf das Glanzvollste bekunden. Man rühmt von seinen Nachbildungen in Schmelzfarben vor allem die Bildnisse; so das Bildniss Giorgione’s nach dessen Selbstporträt in der Pinakothek, das des Cardinals Rospigliosi nach Velasquez, fer­ner das Rafaelische Selbstporträt und das Bild eines Franziscaners nach Rubens. Nach Rafael bildete er übrigens die Madonna Tempi und die heilige Familie auf ei­ner Platte von 22 Zoll im Geviert nach, welche Arbeit zu den allerbedeutendsten Productionen der modernen Schmelzmalerkunst gerechnet wird. Auszeichnend nennt man auch eine Vase, die er zum Vermählungsfest des Kronprinzen (nunmehri­gen Königs) von Preussen und der Prinzess Elisabeth mit deren Porträts schmückte. Die Köpfe sind, bei täuschender Nachahmung einer Kamee aus Onyx, in dreifacher Lage geschnitten, deren oberste lichtbraun, die mittlere milchweiss vom dunkeln Hintergrunde sich abheben, und im schönsten Relief behandelt.

Conversationslexicon für Bildende Kunst. Leipzig, 1843.


06-03-41* (Adler & Engleder)