Chorinsky & Ebergenyi oder Der Giftmord in der neuen Amalienstraße zu München (1867) / t_139

Mord durch Gift,

verübt von Personen aus hochadeligen Familien, ist ein Verbrechen, von welchem die Geschichte in vielen Staaten zahlreiche Beweise liefert, um so überraschender, erschreckender und empörender, als man bei solchen Personen vorzugsweise eine gut, moralische Erziehung vorauszusetzen berechtigt ist. Es gab und gibt Men­schen, behaftet mit der Manie (Sucht, heftige Neigung) zum Brandstiften oder Gift­mischen, die ohne irgend eine andere Absicht nur Häuser brennen, oder Leichen wollen liegen sehen, weil sie ihre Lust daran haben. Dieser schreckliche krankhafte Zustand ist jedoch ein seltener.

Der Mord durch Gift, von dem jetzt die Rede sein soll, beruht auf dem dringenden Verdachte, daß er von einer jungen adeligen Dame von sanften Gesichtszügen an einer andern adeligen, nur einige Jahre älteren Dame verübt worden sei, wobei ausdrücklich bemerkt wird, daß sie vor dem rechtskräftigen richterlichen Erkennt­nisse nicht für eine Mörderin gehalten werden darf, wenn auch eine moralische Ue­berzeugung an ihre Schuld glauben möchte, denn das Reich der Möglichkeiten ist unermeßlich, wie man sich durch das Lesen einer Sammlung aus den Akten ge­schöpfter, spannender Criminalgeschichten überzeugen kann.

Man weiß, wie schnell in Hauptstädten, wo Ereignisse aller Art täglich aufeinander folgen, selbst ein wichtiges vergessen wird. Um so auffallender ist es, daß nun schon vier Wochen lang fast ausschließlich von dem Verbrechen des Giftmordes in München gesprochen wird, der in der neuen Amalienstraße Nr. 12 am 21. Novem­ber Abends geschah. Als diese entsetzliche Nachricht mit telegraphischer Eile durch alle Schichten der Bevölkerung sich verbreitete, rannten Hunderte vor das bezeichnet Haus, und wohl mag es in der ersten Bestürzung der Miethegeberin Ei­nigen gelungen sein, in das Zimmer zu gelangen, worin das Verbrechen begangen wurde.

So viel bis zur Stunde von dieser Schaudergeschichte bekannt ist, mit deren Unter­suchung die Gerichte eifrig beschäftigt sind, wollen wir unsern freundlichen Lesern möglichst ausführlich mittheilen.

Die Gräfin Mathilde von Chorinsky-Ledske, eine Dame von etwa 30 .Jahren, von ihrem Gatten getrennt, der sich in Oesterreich aufhielt, befand sich seit ungefähr einem Jahre dahier in München, und zuletzt in Miethe bei der Wittwe H. in obenge­nannter Wohnung. Sie führte immer ein stilles, anständiges, zurückgezogenes Le­ben. Am Donnerstag den 21. November Abends erhielt sie wieder einen Besuch von einer schönen jungen Dame, die am 19. November von Wien hier angekom­men, und unter dem Namen einer Baronin von Vay in dem Gasthofe zu den »Vier Jahreszeiten« abgestiegen war. Vor diesem Abendbesuche, gleich nach ihrer An­kunft, hatte sie die Gräfin aufgesucht, und es scheint da eine wechselseitige ver­trauensvolle Innigkeit zwischen beiden Damen eingetreten zu sein, wie bei zwei Freundinnen, die sich nach langer Zeit wieder sehen.

Aber der Besuch am 21. November Abends, an welchem die beiden Damen ge­meinsam zu Nacht aßen, nahm ein verhängnisvolles Ende. Sie waren noch mit ihrem Mahle beschäftigt, als ein Lohndiener in Folge eines von der Baronin von Vay erhaltenen Auftrages, zwei Theaterbillete brachte. Zur Erwiederung dieser Auf­merksamkeit schickte die Gräfin ihre Quartiergeberin fort, um eine Droschke zur Fahrt in das Theater zu holen. Nach ihrer eiligen Rückkehr fiel ihr zwar auf, daß das Zimmer der Gräfin verschlossen war, erklärte sich aber diesen Umstand durch die Vermuthung, die beiden Damen würden es vorgezogen haben, anstatt auf die Droschke zu warten, lieber zu Fuße in das Theater zu gehen.

Eine schreckliche Enttäuschung war der arglosen Wittwe vorbehalten! Freitag und Samstag vergingen, ohne daß sie die Gräfin wieder zu sehen bekam; in ihrer Be­kümmerniß schloß sie am Samstag Abends das versperrte Zimmer auf, und wurde von Entsetzen ergriffen bei dem Anblicke der auf dem Boden neben dem Sofa ent­seelt liegenden unglücklichen Gräfin. Durch die Nachforschungen der von diesem Ereignisse augenblicklich in Kenntniß gesetzten Gerichtsbehörde wurde ermittelt, daß die angebliche Baronin von Bay während des kurzen Ganges der Quartierge­berin um eine Droschke, diese Frist benützt habe, um das Zimmer und das Haus schleunigst zu verlassen, ferner, daß sie in auffallender Aufgeregtheit in den Gast­hof zurückgekommen, und unverzüglich abgereiset sei. Die Leichenöffnung ergab die Ermordung der Gräfin durch Vergiftung mit Blausäure!

Dieser Mord geschah ohne Verübung eines Raubes; er mußte also aus andern Gründen geschehen sein, und die Volksstimme, die sich in vielen Fällen als eine richtige Beurtheilung zu bewähren pflegt, war schnell fertig mit der Ansicht: daß die Baronin von Vay dringende Gründe gehabt haben möge, ein unüberwindliches Hinderniß der Erfüllung eines geheimen Wunsches auf diese Art für immer aus dem Wege zu räumen.

Der Telegraph zwischen München und Wien kam wegen dieses Mordes in dauern­de Thätigkeit.

Nach der Oeffnung der Leiche der vergifteten Gräfin, wurde von Professor A. Buchner die chemische Untersuchung vorgenommen, und die Vergiftung durch Blausäure, wie schon bei der Oeffnung zu erkennen war, vollkommen bestätigt. Diesem Chemiker ist es gelungen, die Blausäure nicht nur im Inhalte des Magens in bedeutender Menge nachzuweisen, sondern auch aus dem Blute der Vergifteten noch am fünften Tage nach deren Tode mit voller Sicherheit darzustellen. Die un­glückliche Gräfin Chorinsky gehörte vor ihrer Verheirathung früher der Bühne an; vor etwa 10 Jahren war sie als Fräulein Rueff ein gerne gesehenes Mitglied des Stadttheaters in Augsburg.

2.

Die Wiener »Presse«, ein gutunterrichtetes Journal, bestätigt, daß die angebliche Baronin Vay, welche im Verdachte des Giftmordes an der Gräfin Chorinskv steht, bereits am 26. November Nachts in Wien in ihrer Wohnung, Stadt, Krugerstraße Nr. 13 durch den Polizei – Obercommissär Breitenfeld verhaftet, und in den proviso­rischen Polizeiarrest in der Sterngasse gebracht wurde. Sie ist keine Baronin von Vay, sondern heißt Julie Baronin Ebergenyi, ist Ehrenstiftsdame des adeligen Brün­ner-Damenstiftes, 25 Jahre alt, katholisch, von Szechenvi bei Steinamanger in Un­garn gebürtig, Tochter eines dortigen Gutsbesitzers, eines allgemein geachteten Cavaliers.

Ihre Verhaftung erfolgte auf Grund eines aus München am Vormittage angekom­menen Telegramms, welches die genaue Personalbeschreibung enthielt. Das Tele­gramm war an die Wiener Polizeidirektion gerichtet, und der Chef derselben, Hof­rath Strobach, leitete sofort persönlich die nöthigen Vorerhebungen ein, und nach­dem es ermittelt worden, daß die Baronin Ebergenyi bereits von München einge­troffen war, wurde der genannte Obercommissär beauftragt, ihre Verhaftung vor­zunehmen.

Als Herr Breitenfeld die Wohnung der Frau Baronin betrat, war diese sichtlich be­troffen, und vermochte vor Verlegenheit kaum die einfachsten Fragen zu beantwor­ten. Nach und nach jedoch suchte sie wieder Fassung zu gewinnen, und da sie hör­te, daß ein Verhaftsbefehl gegen sie erlassen worden, erwiederte sie scheinbar ge­faßt, daß sie vollkommen unschuldig sei, und dem Herrn Commissär mit ruhigem Gewissen folgen könne.

Im Laufe des Vormittags vom Mittwoch wurde bereits das Landesgericht in Strafsa­chen von der vollzogenen Verhaftung der Baronin E. in Kenntniß gesetzt, worauf der Landesgerichtsrath Max Fischer mit der Untersuchung betraut wurde. Gegen 10 Uhr Vormittags verfügte sich der genannte Rath in die Wohnung der verhafte­ten Baronin, wo eine genaue Hausdurchsuchung stattfand, und sämmtliche vorge­fundene Briefe, Aufzeichnungen und sonstige Schriftstücke mit Beschlag belegt wurden.

Die Ergebnisse des ersten Vorverhöres boten zwar noch keine bestimmten Anhalts­punkte zu einem positiven Verdachte, doch liegen Umstände und Anzeichen be­denklicher Natur vor, welche die Verhaftung rechtfertigen, und genügende An­haltspunkte zu einer Untersuchung bieten. Die Verhaftete wird dem Landesgerich­te in Strafsachen eingeliefert. Baronin Julie Ebergenyi ist eine schöne Dame von mittlerer Größe. Aus ihren blauen Augen spricht eine gewisse Milde und Sanftmuth; der Ausdruck ihres Gesichtes, ihre Haltung und ihr Benehmen zeugen von Intelligenz. Der deutschen Sprache ist sie zwar vollständig mächtig, die Auss­prache aber verräth die Ungarin. Ueber die Verhältnisse, durch welche der Baronin E. etwa zu einer feindlichen That gegen die Gräfin Chorinsky gebracht werden konnte, weiß man nichts Näheres, doch vermuthet die öffentliche Meinung, daß ein bezüglicher Beweggrund in der Tiefe ihres Herzens verborgen liegen dürfte. Die Verhandlung gegen die Baronin Ebergenyi ist übrigens nach der österreichischen Strafprozeß-Ordnung in Wien zu führen, obgleich der Vergiftungsfall in München geschehen ist.

Graf Chorinsky, öster. Oberlieutenant, Gemahl der hier vergifteten unglücklichen Gräfin, kam in Begleitung seines allgemein hochgeachteten Vaters, des Reichsrat­hes und Statthalters, und zwar vor der Verhaftung der Baronin E. in Wien, nach München. Warum? Vielleicht um zu zeigen, daß er nichts zu scheuen brauche. Nach der ersten Vernehmung durch den Untersuchungsrichter dahier, wurde der Herr Oberlieutenant am 25. November Abends verhaftet. Als er sich entkleiden mußte, fand sich bei ihm ein Medaillon mit der Photographie einer Dame. Man erkannte in dieser Photographie das Bildniß jener Dame, der angeblichen Baronin von Vay, wel­che muthmaßlich das schreckliche Verbrechen hier begangen hat, und es ist in Fol­ge dessen auch gelungen, daß diese Dame am 26. November in Wien verhaftet werden konnte. Der Herr Oberlieutenant ist am 26. November Mittags in das Lei­chenhaus geführt worden, um die Leiche der Ermordeten zu rekognosciren. Nach­mittags wurde die Ermordete unter zahlreicher Theilnahme beerdigt.

Wie konnte nur der Herr Graf auf den gefährlichen Einfall gerathen, das Porträt der Baronin von Vay bei sich zu tragen, und mit demselben in die Hände der Justiz zu reisen? Dieß mußte ihn ja in hohem Grade verdächtigen. Es klingt fast unglaublich, und darf, wie die übrigen, über diesen Mord im Umlaufe befindlichen Gerüchte, wenn sie nicht als amtliche bezeichnet sind, nur mit Vorsicht aufgenommen wer­den.

3.

Zur Vergiftung der Gräfin Chorinsky ist von Wichtigkeit, Näheres über das Verhält­niß kennen zu lernen, in welchem der zu München verhaftete Oberlieutenant Graf Chorinsky zu der angeblichen Baronin von Vay, eigentlich Ebergenyi, in Wien stand. Nach einem Berichte des »Neuen Wiener-Tagblattes« empfing die genannte Dame den Besuch des Oberlieutenants Grafen Chorinsky sehr häufig. Als eines Tages ihre Quartiergeberin, die Frau Baronin H., eine nahe Verwandte des Statthalters, in Er­fahrung brachte, daß »ihre Stiftsdame«, wie man die Baronin im Hause kurzweg nannte, in sehr nahen Beziehungen zu dem Grafen Chorinsky stehe, und daß dieser sie öfters besuche, glaubte sie es ihrem Gewissen schuldig zu sein, die Ehrenstifts­dame darauf aufmerksam zu machen, daß der Graf Chorinsky verheirathet sei, und seine Frau in München lebe. Baronin Ebergenyi läugnete aber mit Entschiedenheit, daß es der Graf Chorinsky sei, der sie besuche; sie behauptete immer, der Herr Oberlieutenant sei der Graf Coronini, und sie konnte dieß um so leichter glauben machen, da Frau Baronin H. seit Jahren erblindet ist, und nur an der Sprache ihren Verwandten den Graf Chorinsky, zu erkennen glaubte. So oft die Ehrenstiftsdame »ihres Grafen Coronini« erwähnte, geschah es immer mit mitleidsvollen Worten, mit dem Ausdrucke warmer Freundschaft und Sympathie. So eingezogen und spar­sam die Baronin Ebergenyi im Hause auch immer lebte, so entfaltete sie doch in Bezug auf ihre Toilette einen verschwenderischen Luxus.

Sie ließ sich die schönsten Reitkleider anfertigen kaufte stets die theuersten Sei­denstoffe, und überhaupt alle zu einer eleganten Toilette nöthigen Gegenstände und insbesondere scheute sie keine Kosten, wenn sie in hocharistokratischen Häu­sern zu den Hausbällen geladen war, was sich sehr häufig ereignete. Gewiß ist, daß sie von Seite des Herrn Oberlieutenants Grafen Chorinsky keine Geldunterstützun­gen erhielt, daß sie jedes noch so geringe Geschenke mit Stolz zurückwies, und daß nur die leidenschaftlichste Liebe, deren ein Frauenherz fähig ist, sie an den Oberlieutenant fesselte.

Dieser soll ihr versprochen haben, daß er dem katholischen Glauben entsagen, und zu dem protestantischen Glauben sich bekennen werde; dann werde er die gericht­liche Trennung von seiner Frau veranlaßen, und sie (Baronin Ebergenyi) heirathen. Der genannte Oberlieutenant faßte gegen seine junge Gattin, die er in Linz als Schauspielerin kennen gelernt hatte, eine tiefe Abneigung. Die Eltern konnten sich diese plötzliche Wandlung in den Gefühlen ihres Sohnes nicht erklären, denn sie selbst hatten die Frau ihres Sohnes liebgewonnen.

Man wußte nicht, was zu geschehen habe, ob man, dem Wunsche des in der Frem­de weilenden Sohnes entsprechend, dessen Gattin aus dem Hause entfernen, ihr einen andern Aufenthaltsort anweisen, oder auf die Rückkunft des Sohnes, welcher nicht mit ihr unter Einem Dache leben wollte, Verzicht leisten sollte. Da gab die jun­ge Gräfin selbst den Ausschlag. Sie erklärte, daß sie nunmehr nach München gehen wolle und sich dort zu ernähren trachten werde. In München wurde sie in anstän­digster Weise durch ihren Schwiegervater, Herrn Grafen Chorinsky, erhalten.

Nach einem Berichte der Wiener Presse übergab die Baronin Ebergenyi vor ihrer Verhaftung ihrem Dienstmädchen ein Paket mit der Bitte, es vorsichtig und nicht im eigenen Hause zu verwahren. Das Dienstmädchen übergab das Paket seiner Schwester, welche indessen, durch verschiedene Anzeichen bewogen, Verdacht schöpfte, und es später der Polizei überlieferte. Im Pakete soll sich eineTheema­schine befunden haben. Mit Rücksicht auf die traurige Katastrophe soll sich der bis jetzt bei der Staatsanwaltschaft Wien verwendete, wegen seines Fleißes und seiner besondern Brauchbarkeit beliebte Adjunkt Graf Karl Chorinsky, Bruder des Ober­lieutenant, von seinem Posten haben entheben lassen, und bereits vom Bureau weggeblieben sein, was aber auch schon wieder in Abrede gestellt wurde.

Der Vater Graf Chorinsky, Statthalter von Niederösterreich, der erst kürzlich in’s Herrenhaus berufen wurde, ist sehr niedergeschlagen, fast gebrochen nach Wien zurückgekehrt. Das Verhältniß des jungen Grafen Chorinsky zu seiner Familie war kein glückliches, und der Vater, ein von Allen geehrter Staatsmann, soll schon frü­her bekümmert der Zukunft des jungen Mannes entgegengesehen haben. Der jun­ge Graf verließ die österreichische Armee, trat in die päpstliche Armee ein, und war auch in Ancona, als der Commandant der päpstlichen Truppen, General Lamo­riciére, daselbst kapituliren mußte. Kurze Zeit, nachdem er verheirathet war, verließ der Graf seine Frau, die Aufnahme fand im Hause ihres Schwiegervaters, in wel­chem sie bis zum Ende des vorigen Jahres verblieb. Unrichtig ist die Meldung eini­ger Blätter, daß Oberlieutenant Chorinsky auch in Mexiko gewesen sei. Dieser Cri­minalprozeß wird wohl Anlaß zu österreichisch-ungarischer Competenzstreitigkeit geben, da Wien nicht der Ort der That und für die Baronin Ebergenyi auch nicht das zuständige Gericht ist, da dieselbe als Ungarin unter die ungarische Justiz ge­hört.

4.

Es ist leicht erklärbar, daß die öffentlichen Mittheilungen über diese Vergiftung und über diese dabei thätigen Personen sich nicht selten widersprechen, etwas behaup­ten, und kurz darauf, besser unterrichtet, widerrufen. Die Mittheilungen werden nämlich aus den entgegengesetztesten Quellen geschöpft, und der Neuigkeit we­gen ohne weitere Untersuchung veröffentlicht. Deßhalb ist es nöthig, sie vorläufig bekannt zu machen, wie sie lauten, um den Lesern das eigene vorläufige Urtheil zu erleichtern.

Diese Vergiftungsgeschichte bildet nicht nur in München, sondern auch, und zwar vorzüglich, in allen Kreisen der großen österreichischen Hauptstadt Wien das Ta­gesgespräch, und Jedermann weiß angeblich etwas Neues zu erzählen. Die öffent­lichen Prozeßverhandlungen werden das Richtige feststellen. Die Verhaftete hat bisher nicht nur kein Geständniß abgelegt, sondern läugnet auch auf das Entschiedenste, beruft sich auf ein Alibi ( Abwesenheit vom Orte des Verbrechens während dessen Verübung) und trägt eine auffallende Ruhe zur Schau. Anders steht es jedoch mit den Erhebungen.

5.

Ueber den abenteuerlichen Sinn des Grafen Gustav von Chorinsky gibt es zur Auf­klärung desselben verschiedene Mittheilungen. Der Graf schied im Laufe der letz­ten 10 Jahre viermal aus der k. k. österreichischen Armee, und wurde stets wieder in dieselbe aufgenommen. 1859 trat er neuerdings, nachdem er in früheren Jahren bis zum Oberlieutenant avancirt war, und ohne Beibehalt des Militärcharakters quit­tirte, als Kadet in die Armee ein, und avancirte in Mortara zum Offizier. Nach been­digtem Kriege schied er wieder aus der Armee; damals entstand ein intimes Ver­hältniß mit der Schauspielerin Rueff, seine Gattin späterhin. Wie man sagt, soll der junge Graf damals dem Mädchen ein schriftliches Heirathsversprechen gegeben, und auch auf andere Weise gegen die Rueff sich verpflichtet haben.

Inzwischen begannen die Werbungen für die päpstliche Armee, und Graf Chorins­ky, der damals in Graz verweilte, ließ sich für das österreichisch-päpstliche Korps allwerben. Er wurde Hauptmann und stand in Foligno. Eines Tages, als gerade die Vorbereitungen zur Entscheidungsschlacht der Päpstlichen gegen die Italiener im Gange waren, erschien Fräulein Rueff in Foligno. Sie hatte in Deutschland verge­bens auf eine Antwort ihres Bräutigams gewartet. In Foligno erinnerte sie den Gra­fen an sein Eheversprechen, und dieser erklärte sich bereit, sein Versprechen sofort zu erfüllen.

Ausnahmsweise wurde dem Grafen die sofortige Vollziehung der Ebe erlaubt, da sonst bei einer auf dem Kriegsfuße befindlichen Truppe Ehebewilligungen nicht leicht ertheilt werden. Die Trauung wurde in der Kirche zu Foligno in Gegenwart der Offiziere des 2. Bataillons vollzogen. Fürst Odesealchi machte den Brautführer. Während der Trauung ereignete sich ein merkwürdiger Umstand, der aber auch an­derswo bisweilen eingetreten ist, und in der Stadt großes Aufsehen erregte. Das Brautpaar stand schon am Altare, der Priester hatte bereits die üblichen Gebete gesprochen, als man plötzlich bemerkte, daß die Trauringe fehlten. Die Trauung mußte unterbrochen werden; man schickte in die Wobnung des Bräutigams, wo die Ringe gefunden wurden. Jetzt erst konnte die Trauung geschlossen werden.

Allgemein hielt man diesen Umstand für verhängnißvoll, und die abergläubischen Italiener erklärten kopfschüttelnd, diese Ehe müsse zu einem großen Unglücke füh­ren. Die spätere Zeit bewies die Richtigkeit ihrer Ahnung. Graf Chorinsky kämpfte in der Schlacht von Castelfiardo, die bekanntlich für die Päpstlichen verloren ging und kehrte dann mit seinen Kameraden nach Oesterreich zurück. 1864 trat Graf Chorinsky neuerdings als Kadet in die österreichische Armee, machte den Feldzug in Schleswig-Holstein mit, und avancirte neuerdings zum Offizier. Nach Beendigung des Feldzuges wurde er dem Generalstabe zugetheilt, in welchem er bis in die neu­este Zeit diente.

6.

Die Mitteilungen über die Persönlichkeit und das Wesen der in Wien verhafteten Baronin Ebergenyi, (von Einigen auch Ebermenyi genannt), scheinen Parteifärbun­gen zu tragen, und sohin verschieden zu lauten. Den Einen zu Folge war sie lie­benswürdig, sparsam, eine Wohlthäterin der Armen, eingezogen, erhielt eine aus­gezeichnete Erziehung, und wurde im Jahre 1865 zur Ehrendame des adeligen Brünner -Damenstiftes ernannt. Ihre ganze Lebensweise in Wien war eine über­spannte. Zur frühesten Morgenstunde pflegte sie auszureiten. »Ich bin wie auf dem Pferde geboren«, sagte sie oft zu ihrer Quartiergeberin, »meine einzige Leiden­schaft ist das Reiten, und eher könnte ich Alles lassen, als dieses Vergnügen.« Sie besuchte nie einen feinen Gasthof, sondern ließ sich immer ein einfaches Mahl aus einem unansehnlichen Gasthofe in ihre Wohnung bringen.

Andere schildern sie als herrisch, rauh, verschwenderisch, emancipirt. Sie soll auch die nicht mehr seltene Gewohnheit gehabt haben, stark zu rauchen. Sie soll den Grafen Chorinsky nicht geliebt haben, dagegen der Graf sterblich in sie verliebt ge­wesen sein, und vollständig geleitet von ihren Launen. Sie sprach bisweilen in sol­chem Tone mit ihm, daß sie ihn unmöglich geliebt haben konnte; er ließ sich aber Alles gefallen und war zufrieden, wenn er sie nur sehen konnte.

In dem früher erwähnten, in den Händen der Polizei befindlichen Pakete, welches Fräulein Ebergenyi von München nach Wien heimbrachte, lag auch eine Theema­schine, die wahrscheinlich bei dem Abendessen bei der Gräfin Chorinsky benützt wurde, und ein Schlüssel, den man sofort nach München gesendet hat, und der ge­nau in das Thürschloß jenes Zimmers paßte, in welchem man die Gräfin todt gefun­den hat. Dieser Schlüssel ist ein Verdachtsgrund von der schrecklichsten Bedeu­tung!

Ueber die Familienverhältnisse der Baronin Ebergenyi erfährt man noch nachträg­lich:
Ihr Vater hatte sein Vermögen in einer etwas zu üppigen Lebensweise rasch ver­zehrt, weßhalb seine Frau sich von ihm scheiden ließ; sie nahm die Kinder zu sich, und ließ ihnen die beste Erziehung angedeihen. In den letzten Jahren befreite der Onkel der Verhafteten das Gut von den Schulden, und übertrug die Verwaltung sei­nem ältesten Neffen mit der Verpflichtung, daß dieser seine Geschwister anständig versorgen müsse. Als vor einigen Jahren die Mutter starb, heirathete Herr von Ebergenyi bald darauf eine junge Dame aus dem Bürgerstande, und aus diesem Grunde sagten sich fast sämmtliche Kinder vom Vater los.

Die verstorbene Gräfin Chorinsky war eine Dame mittlerer Größe, hatte braune Au­gen, rothe Haare und einen sehr weißen Teint. Ihr Gesicht war schmal und ein Zug der Schwermuth darin ausgeprägt. Ihre äußere Erscheinung war jedoch eine sehr sympathische und ihr Benehmen trug den Stempel der Noblesse an sich. Ihre Toi­lette war elegant, fein, geschmackvoll. Im vergangenen Winter lag sie drei Monate in München an einem Halsleiden im Bette und auf Anrathen ihres Arztes begab sie sich in die Kuranstalt Reichenhall, wo sich jedoch ihr Leiden nicht merklich besserte. Sie lebte zurückgezogen.

Im Umgange mit andern Personen, war sie sehr zurückhaltend; mit Männern ver­kehrte sie fast gar nicht, und zwar aus Rücksicht für ihren Gemahl, damit er ihr, wie sie sich ausdrückte, nichts zur Last legen könne. Deßhalb schlug sie auch immer die Einladungen zu Unterhaltungen mit Entschiedenheit aus. Ihre Familienverhältnisse berührte sie fast nie; geschah dieß aber, so bemächtigte sich ihrer eine tiefe Schwermuth. Von ihrem Schwiegervater sprach sie stets mit Achtung, von ihrem Gatten jedoch sagte sie wiederholt, daß nur er die Ursache ihrer Gemüthsstim­mung sei. Sehr häufig gedachte sie ihres Kindes, und mit Thränen in den Augen pflegte sie zu sagen: »Gott hat es frühzeitig zu sich genommen; es war gut, daß es so kam.«

7.

In Bezug auf die Vergiftung der Gräfin Chorinsky verlauten noch nachträglich ver­schiedene Einzelheiten, welche mit der schrecklichen That in Verbindung gebracht werden.

So wird auch erzählt, daß die Correspondenz der Ebergenyi mit dem Grafen Cho­rinsky, während sich die Erstere in München befand, nicht direkt an den Grafen adressirt, sondern an eine Mittelsperson, und zwar an einen dem Grafen sehr erge­benen pensionirten Beamten, Namens Romberg, gerichtet war. Zwei Briefe, die am Mittwoch den 20. November anlangten, also einen Tag vor der That, wurden auf solche Weise an den Grafen befördert; als dann weiter kein Brief eintraf, fühlte sich Romberg, der jedoch nicht wußte, von wem die Briefe kamen, veranlaßt, dem Gra­fen davon Mittheilung zu machen.

Er verfügte sich Freitag (am 22. November) gegen Abend in die Wohnung des Fräuleins Ebergenyi (in welche sich der Graf Chorinsky einlogirt hatte). Der Graf war nicht allein; an seiner Seite trat auch Fräulein E. aus der Zimmerthüre, um zu erfahren, was Romberg begehre. Die Unterredung war kurz; der Graf schien sehr aufgeregt, benahm sich ziemlich unwirsch, und Romberg kehrte bald in seine Woh­nung zurück. Doch nur eine Stunde spater erhielt er ein Billet vom Grafen, lautend: »Lieber Romberg, kommen Sie augenblicklich zu mir!«

Es war ein sehr stürmischer Abend, aber Romberg machte sich nichts daraus, und folgte dem Befehle des Grafen. Als er in das Empfangszimmer des Fräuleins E. trat, wurde er von beiden Personen, dem Grafen Ch. und seiner Geliebten, mit ausneh­mender Zuvorkommenheit empfangen. Plötzlich sagte der Graf zu ihm:
»Können Sie noch heute Abends nach München fahren und sich erkundigen, ob die Baronin Ledske lebt, oder schon todt ist? Wir Beide lieben uns, und möchten uns heirathen.«

Diese unvorsichtige und verfängliche Aeußerung hätte der Graf nicht machen sol­len.

Romberg erklärte sich dazu bereit, und der Graf fügte hinzu:
»Sie fahren also heute Abends von hier weg. Samstag Nachmittags 4 Uhr treffen Sie in München ein. Sie verfügen sich sofort in die Amalienstraße Nr. 12, erkunden dort, was vorgefallen, und fahren mit dem halb 9 Uhr Zug von dort nach Wien zu­rück.«

Durch eine Zugsverspätung geschah es, daß er am Samstag Abends erst spät in München eintraf. Sonntag früh ging er auf Erkundigung. Straße und Haus hatte er bald gefunden. Er erfuhr, daß die Gräfin seit zwei Tagen todt sei, und daß die Poli­zei die Leiche mit Beschlag belegt habe. Zur Polizei ging Romberg nicht, er trachte­te vielmehr, sobald als möglich von München wegzukommen.

Montag Vormittags traf er in Wien ein. Sein erster Gang war in’s Kriegsministerium, wo er erfuhr, daß Graf Chorinsky abwesend sei; Dienstag früh ging R. abermals in’s Kriegsministerium, wo man ihm sagte, daß der Graf in Begleitung seines Vaters, des Statthalters, nach München gefahren sei. Ein Brief lud ihn zu Ebergenyi. Sie war elegant gekleidet, hatte eine lange goldene Kette umgehängt, und schmauchte be­haglich eine Cigarette, die in einem feinen Meerschaumspitzchen stak.

»Liebster Romberg,« rief sie bei seinem Anblicke, »ich freue mich, daß Sie da sind. Ich und der Gustav, wir haben uns die schrecklichsten Gewissensbisse gemacht, daß wir Sie bei dieser Kälte und so unverwahrt nach München fahren ließen. Haben Sie sich nicht erkältet? Ist Ihnen in München nichts passirt?«

Romberg sah der Dame fest in’s Auge, und jedes seiner Worte absichtlich beto­nend, erwiederte er:
»Mir ist in München nichts passirt; die Baronin Ledske ist schon todt, aber die Mün­chener Polizei hat die Leiche mit Beschlag belegt.«

Die Stiftsdame E. hatte diesen Worten mit der größten Unbefangenheit zugehört; sie schlug die Augen nicht nieder, als ihr der ehrliche R. in dieselben sah.

Am nämlichen Abende las man in den Blättern, daß in München die Leiche der Grä­fin Chorinsky in ihrer Wohnung aufgefunden worden sei, unter Umständen, welche den Verdacht eines Mordes erregten, was Romberg veranlaßte, seine Erlebnisse der Polizei zu melden.

Das Damenstift zu Brünn hielt eine Berathung über die fernere Mitgliederschaft und Zugehörigkeit der Ehrenstiftsdame von E. zu dem Stifte. Die Statuten des Or­dens weisen indessen nicht nach, daß die Entlassung eines Mitgliedes im Discipli­narwege ohne richterliches Erkenntniß, welches gleichzeitig die Entziehung der Eh­renchargen ausspricht, erfolgen kann, und es ist deßhalb von dem Antrage eines Mitgliedes, die des Giftmordes beschuldigte von E. auszuschließen, und die bezüg­liche Beschlußfassung der allerhöchsten Sanktion zu unterbreiten, Abstand genom­men worden; dagegen wurde beschlossen, »die Rechte des Stiftsmitgliedes von E. und die Anforderungen, welche sie aus dem Vereine statutenmäßig herzuleiten hat, bis zur Austragung ihres Prozeßes zu sistiren.

8.

Während die verhaftete Julie von E. in’s Gefängniß abgeführt wurde, betheuerte sie wiederholt daß sie unschuldig sei, und durch fremde Schuld dieses Schicksal tra­ge. Bei der vorgeschriebenen Leibesuntersuchung in der Aufnahmskanzlei des Landgerichtes weinte sie bitterlich und ununterbrochen. Sie verlangte die Kost aus eigenen Mitteln bestreiten zu dürfen, und ließ sich ihre Baarschaft – etwa 320 Gul­den – in das Landesgericht bringen. Sie lebt sehr mäßig, nimmt meist nur Suppe, Kaffee und Thee zu sich, zeigt jedoch große Unruhe und Aufregung, und geht fast immer in ihrer Zelle auf und ab.

Cigarren und Zeitungen, die sie verlangte, wurden ihr nicht bewilligt. Seit dem Tage ihrer Einschließung haben sich ihre Gesichtsfarbe und Züge sichtbar verän­dert. Oft fragt sie »wie lange die peinliche Berwahrungshaft noch dauern werde?« Es wurde ihr auch die Benützung ihres eigenen Bettzeuges bewilligt, und dieses gleich am ersten Tage zugeführt. Sie wird fast täglich und zu verschiedenen Stun­den verhört.

Den Gefangenhausaufseher, welcher sie zu beaufsichtigen und dem Untersu­chungsrichter vorzuführen hat, fragte sie wiederholt, ob Graf Chorinsky auch be­reits und wo eingeliefert sei, worüber sie natürlich keinen Bescheid erhielt. Schreib­requisiten wurden ihr zwar bewilligt, allein ein Briefwechsel strenge untersagt. Auch erhielt sie ein ungarisches Gebetbuch. Ihre Zelle wird die ganze Nacht hin­durch beleuchtet, und von den Nachtposten beobachtet. Wiederholt äußerte sie den Wunsch, ihre Verwandten zu sehen.

Vor etwa 8 Monaten war zu Laibach selbst in wohlunterrichteten Kreisen die Rede davon, daß der Graf Chorinsky sich scheiden lasse, und nach vorausgegangenem Uebertritte zum Protestantismus danach trachte, sich wieder zu vermählen. Der Graf ist beiläufig 35 bis 37 Jahre alt, groß, von sehr einnehmendem Aeußern, blond, und hat kräftig markirte Züge; er ist im Umgänge sehr heiter und gut­müthig, und war wegen seiner Unterhaltungsgabe allgemein gern gesehen. Nur mit Geld verstand er nie umzugehen und war durch seine Gutmüthigkeit beständig in größter Geldverlegenheit, obgleich er von seinem Vater beteutend unterstützt wurde.

Einer auswärtigen Zeitung ist von hier aus berichtet worden, daß man dem hier verhafteten Grafen Chorinsky Eisen angelegt habe. Diese Nachricht ist eine Erdich­tung; sie gehört zu den zahlreichen Unrichtigkeiten, welche die Wienerzeitungen fast täglich über die Vergiftungsgeschichte mittheilen. So lange die Untersuchung hier und in Wien nicht beendet ist, was voraussichtlich nicht so schnell der Fall sein wird, werden selbstverständlich von den Untersuchungsrichtern Niemanden Eröff­nungen gemacht, und man wird deßhalb gut thun, das, was in dieser Beziehung in Blättern gemeldet wird, mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die Herren Berichter­statter auswärtiger Zeitungen wollen pikante Neuigkeiten mittheilen und wenn sich solche nicht ereignen, je nun, so fabriziren sie dieselben nach persönlicher Phanta­sie. Dieß ist eine Erbsünde der meisten Journale überall; aber ein geübter Leser­blick läßt unter den vielen vorübergaukelnden, aufgetischten Artikelgerichten die ungebratenen Zeitungsenten leicht herausfinden.

Am 12. Dezember war in Wien der Gerichts-Chemiker Professor Heller vor den Un­tersuchungsrichter des Fräuleins von Ebergenyi geladen, und nahm die bei dersel­ben vorgefundenen Fläschchen und die Theemaschine oder Theekanne zur chemi­schen Untersuchung in Empfang. Aus ganz zuverlässiger Quelle wird mitgetheilt, daß die Gräfin Mathilde Chorinsky ein verbotenes Liebesverhältniß gehabt habe, und am 13. November vorigen Jahres im Gebärhause zu München einem uneheli­chen Knaben das Leben gegeben hat, daß diese Thatsache sich in den Listen des Gebärhauses, die vorschriftmäßig der Polizeidirection übergeben werden müssen, verzeichnet findet, und daß auch in den Taufregistern des Pfarrers an der Aukirche unter dem 14. November 1866 die an dem Knaben Albert von Ledske vollzogene Taufe bestätigt wird.

Chorinsky & Ebergenyi oder Der Giftmord in der Neuen Amalienstraße zu München. München, 1867.


19-05-22* (Chorinsky)