Blick auf den Lebensweg von Adolf Karl Graf von Holnstein aus Bayern (2011) / t_433

Adolf (genannt Karl) Graf von Holnstein aus Bayern wurde in München am 23. März 1877 als Sohn des Kgl. Bayer. Oberststallmeisters, Reichsrats der Krone Bayern etc. Maximilian Karl Theodor Graf von Holnstein aus Bayern (1835 – 1895) und dessen Gemahlin Maximiliane, geb. Freiin von Gumppenberg-Pöttmes (1850 – 1937), ge­boren. Die Mutter war eine Enkelin des Prinzen Carl von Bayern.

Der Personalakt im Kriegsarchiv gibt Auskunft, dass Adolf Karl Graf von Holnstein am 1. Oktober 1889 als Zögling in die I. Klasse eintrat. Neben den von zivilen Leh­rern erteilten gymnasialen Fächern, die zum Abschluss des Realgymnasiums führ­ten, unterrichteten Offiziere Reiten, Fechten, Exerzieren, Schießen, Dienstkenntnis­se und Turnen. Dazu Tanzstunden für den gesellschaftlichen Schliff. Man wollte, wie es hieß, »den ganzen Menschen, nicht nur seinen Geist formen.«

Im Sommer 1895 bestand Adolf Karl von Holnstein die Reifeprüfung. »Seine her­vorragende Sicherheit in bezug auf die neueren Sprachen« wurde hervorgehoben; Betragen, Fleiß, Religion waren »sehr gut«. Am 13. Juli 1895 war Graf Holnstein als Portepeefähnrich im 1. Ulanen-Regiment ausgetreten. Er besaß nun die Hochschul­reife und war gleichzeitig Offiziersanwärter.

Die »Münchener Post« veröffentlichte am 25. September 1896 folgenden Bericht:»Der Portepeefähnrich Steichele vom 2. [zutreffend 3.] Feldartillerie-Regi­ment … (Sohn des Intendanten des 2. Armeekorps) wurde in Ingolstadt … durch ei­nen Kameraden, der dem höchsten bayerischen Adel angehören soll, tödlich ver­letzt. Er hatte sich mit dem Gegner abends beim Schlafengehen geneckt … Sei es nun, daß einer die Sache ernst aufnahm, oder war es ein unglücklicher Zufall, kurz, Steichele erhielt … mit einem Artilleriesäbel einen Stich in den Leib, durch den Zwerchfell, Lunge und Magen verletzt wurden, so daß der Verwundete sehr schwer darniederliegt …«

Was war nun wirklich passiert? Das K. B. Kriegs-Ministerium veranlasste eine Unter­suchung: Graf Holnstein hatte sich schon zu Bett begeben, als die Zimmergenossen sich um den Säbel eines hereinkommenden Kameraden zu balgen begannen. Adolf Karl von Holnstein sprang auf, erwischte den vermeintlich nicht angeschliffenen Sä­bel und »fuchtelte«, wie er aussagte, »damit herum«. Das war am 4. August. Am 28. November 1896 erlag Otto Steichele, 20jährig, in München den schweren Ver­letzungen.

Graf Holnstein wurde zu einer zehnmonatigen Festungshaft verurteilt, die er auf Oberhaus in Passau verbüßte. Sein Gnadengesuch zog Adolf Karl von Holnstein zu­rück. Er bat um Beurlaubung zur Reserve – da er durch das ihm zugestoßene Un­glück die nötige Berufsfreudigkeit verloren habe und sich nicht mehr imstande sah, späterhin die Pflichten eines aktiven Offiziers zu übernehmen.

Adolf Karl von Holnstein begann zu spielen, machte enorme Schulden. Als es kaum noch Hoffnung gab, ging er nach Amerika. In Philadelphia vermählte er sich am 16. November 1905 mit Mildred Harrison, einer reichen Erbin aus erster Familie. Graf Holnstein wurde Fabrikbesitzer.

Das Paar lebte sehr glücklich, bis 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach. Der Graf kehrte auf einem Kohlenfrachter nach Deutschland zurück und trat beim I. Reserve-Infanterieregiment 18 ein. Am 18. März 1915 wurde er zum Leutnant befördert. Durch ein Artelleriegeschoß in die Brust fiel der im Rang eines stellvertretenden Bataillons-Adjutanten stehende Graf Holnstein am 4. November 1916 am Roten-Turm-Paß in Rumänien. Er wurde in Hermannstadt in Siebenbürgen beigesetzt.

Die Mutter ließ für ihren jüngsten Sohn im Holnstein´schen Mausoleum in Schwar­zenfeld eine Gedenktafel anbringen: »Mein treuer Sohn ruhe in Frieden. Er starb den Heldentod für die Größe seines Vaterlandes, dem zu dienen er von weither ge­eilt und das siegreich und gefestigt aus diesem Kampfe hervorgehen zu sehen sein heißester Wunsch war.«

© Martin Irl, Holnstein-Archiv, Schwarzenfeld, 2011.


04-12-43 (Steichele)