Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerinnen (1837) / t_1142

Pellegrini, Giulio, k. bayerischer Hof-Opern- und Kapellsänger.

Pellegrini ward zu Mailand am 1sten Januar 1806 geboren. Schon früh führte ihn Anlage und Lust zum Studium der Musik. Sein erster Lehrer war Pagano. Nachher trat er als Zögling in das Conservatorium, welches damals unter der Leitung Orlan­di’s stand, der nachher als Gesanglehrer in München lebte, und nun Kapellmeister in Parma ist. Im elften Jahre bildete sich Pellegrini’s schöne Baßstimme; auf Binag­hi’s und Bauderali’s Rath machte er seine erstn Versuche in der Kirche, und übergab sich dann ganz der Leitung des letztgenannten Professors. Als Pellegrini dreizehn Jahre alt war, hatte er schon solches Aufsehen erregt, daß er nach Turin zum Thea­ter Carignano berufen wurde, und dort mit großem Beifalle auftrat.

Freiherr von Priuli, Intendant der italienischen Oper in München, engagirte Pelligri­ni, der, noch nicht volle fünfzehn Jahre alt, zum ersten Male in München als Faraone im Mosè von Rossini mit großem Beifall auftrat. Seine Stimme war damals schon überraschend schön, gewann aber durch ein ernstliches Studium noch mehr an Kraft und Wohllaut. Pellegrini wurde in kurzer Zeit ein entschiedener Liebling des Münchener Publikums, und gefiel sich in München so gut, daß er, als im Jahre 1825 die italienische Oper aufgelöst wurde, den Entschluß faßte, Deutsch zu lernen, um fortan in der deutschen Oper zu wirken.

Mit einer seltenen Beharrlichkeit, die ihm überhaupt zu eigen ist, führte er seinen Plan durch, der ihm auch dadurch erleichtert wurde, daß der k. Hof-Musik-Intendant Freiherr von Poißl ihm ein Wartegeld auszahlen ließ. Schon nach drei Mo­naten konnte Pellegrini in einem Conzert »In diesen heiligen Hallen« deutsch vor­tragen, und binnen Jahresfrist in der deutschen Oper wirken. Er wurde dann bei der Hofkapelle und beim Hoftheater in München lebenslänglich angestellt, und ist unstreitig eine Zierde dieser Kunstanstalt.

Pellegrini hat eine kräftige, umfangreiche und wohllautende Stimme, die gründlich und gleichmäßig durchgebildet ist. Sein Portamento ist ebenso vortrefflich, wie sei­ne Coloratur. Man kann mit Wahrheit sagen, daß er alle Partieen mit Auszeichnung durchführt; zu seinen vorzüglichsten Partieen gehören: Moses, Sarrastro, Wilhelm Tell, Don Juan, Bertrand in Robert der Teufel. Pellegrini ist ein sehr unterrichteter Mann von ächt germanischer Gründlichkeit,der in Allem auf den Kern der Sache geht. Seitdem Pellegrini in München engangirt ist, hat er zwei Kunstreisen ge­macht. 1831 trat er im Theater Fenice in Venedig auf, und 1832 wirkte er mit bei der deutschen Oper im Kingstheater zu London. Ueberall wurde ihm volle Aner­kennung seiner Kunst.

L. v. Alvensleben (Hrsg.): Biographisches Taschenbuch deutscher Bühnen-Künstler und Künstlerin­nen; Zweiter Jahrgang; Fischer & Fuchs; Leipzig 1837.


36-08-28/29 (Pellegrini)