Biographisches Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach (1901) / t_539

Johann Georg Beilhack, Studienrektor. Beilhack Johann Georg, wurde am 22. April 1802 als Sohn eines Schreiners und Kleingütlers zu Ruhpolding geboren. Kaum zwei Jahre alt, brachte man ihn nach Unterwössen, wo er bis zum 13. Jahre bei Verwand­ten aufgenommen war. Zu den Eltern zurückgekehrt, begann er die Erlernung des Tischlerhandwerks, kam aber, veranlaßt durch ungünstige heimische Verhältnisse, bald wieder nach Wössen, um als Köhler verwendet zu werden. Eine im Dorfe Grassau statthabende Primizfeier weckte in dem Knaben den Wunsch, studieren zu dürfen.

Nachdem er von dem Kuraten J. Chrysam zu Wössen den ersten Unterricht erhal­ten, kam er an das Gymnasium nach München und absolvierte dasselbe mit der ersten Note im Jahre 1822. Den Beruf zum Geistlichen, in dem seine Verwandten ihn schon zu sehen glaubten, nicht in sich fühlend, studierte Beilhack unter ärm­lichsten Verhältnissen nun an der Universität Landshut zunächst Physik und Medi­zin, trat aber dann in das von Thiersch errichtete philologische Seminar in München über und bestand im Jahre 1826 den Konkurs für das höhere Lehrfach.

Nachdem er von 1827-1829 die Stelle eines Hofmeisters versehen» erhielt er 1830 seine Anstellung als Präzeptor der 1. Klasse der Lateinschule in München; er er­warb sich den Doktorgrad in der Philosophie, wurde im Jahre 1835 Professor der 1. Gymnasialklasse in Landshut, um ein Jahr darauf in gleicher Eigenschaft an das alte Gymnasium nach München zurückzukehren. Unterm 7. Juni 1842 zum Rektor an der vom Gymnasium abgetrennten lateinischen Schule, am 12. Mai 1849 zum Professor der 3. Gymnasialklasse des neu kreierten Maximilian-Gymnasium, am 16. Septem­ber 1856 zum Rektor letzterwähnter Anstalt ernannt, wußte Beilhack allen seinen Aufgaben in einer Weise gerecht zu werden, die den hervorragenden Pädagogen und Schulmann glänzend bekundete. Wie er durch 17 Jahre die Repetitorstelle an der kgl. Pagerie versah, so war er auch später als Kreisscholarch Oberbayerns für die Interessen der Volksschule umsichtig thätig.

Das Vertrauen, welches Beilhack von höchster Stelle stets entgegengebracht wur­de, hieß ihn in den kritischen Jahren 1848 und 1849, in denen er mit der vollen Kraft des ihm zu Gebote stehenden Wortes für Ordnung und Gesetzmäßigkeit bei verschiedenen Anlässen erfolgreich eintrat, auch die Vorstandschaft der Münche­ner Turnanstalt übernehmen. Beilhack, der von König Ludwig I. mit Verleihung des Ritterkreuzes vom Sankt Michaels-Orden geehrt wurde, war im Besitze einer über­aus gemütvollen, poetischen Ader; er lieferte viele Gedichte, die in Zeitschriften (»Charitas«, »Theeblätter«, »Blätter für deutsche Litteratur«) zerstreut sich finden. Unter den von ihm herausgegebenen Schriften sind zunächst hervorzuheben: »Deutsche Grammatik zum Gebrauche in den lateinischen Schulen«, »Deutsche Sti­listik«, ferner »Die Denkmäler der deutschen Sprache«, sowie zwei Programme, ei­nes das Studium des Altdeutschen, das andere den humorvollen Dichter Johann Nariskus (Hortig) behandelnd.

In letzter Zeit seines Lebens von Krankheiten, die aber das heitere Gemüt des Man­nes nicht zu schädigen vermochten, viel heimgesucht, starb Rektor Beilhack zu München am 21. Oktober 1864. [Heindl, »Galerie berühmter Pädagogen», Bd. I, S. 38. – Morgenblatt zur »Bayr. Zeitung« vom 5. November 1864, Nr. 306.]

Max Fürst: Biographisches Lexikon für das Gebiet zwischen Inn und Salzach. München, 1901.


06-14-29 (Beilhack & Reubke)