Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (1856) / t_536

Behrend-Brandt, Magdalena (kön. bairische Hofopernsängerin, geb. zu Wien 1828). In weiterer Linie entstammt sie dem Lande der Kunst, Italien. Die künstlerische Ausbildung ihres seltenen Gesangstalentes ist das Werk des bekannten Gesangs­meisters Gentiluomo in Wien. Zuerst trat sie öffentlich in Pesth und dann als Fräu­lein Brandt in Leipzig auf. Von Leipzig ging die Künstlerin bald nach Frankfurt a/M, wo sich ihr schönes Talent im Kreise von Musiknotabilitäten und durch das Studium der besten Muster in seltener Weise entwickelte. Daselbst vermälte sie sich auch mit dem Kaufmanne Behrend und führt seit dieser Zeit den Doppelnamen.

Die Erfolge einer Reise zu Gastspielen in Wien, Berlin, Prag, München, Hannover, stellten ihren Namen alsbald auf die Liste der ersten dramatischen Sängerinnen Deutschlands. Nach achtjährigem Wirken auf der Frankfurter Bühne erhielt sie ei­nen Ruf an die Münchener Hofbühne, zu deren Zierden sie heute zählt. Mit den Vorzügen italienischen Naturells verbindet sie die deutscher Kunst und Kunstbil­dung. Im einfachen, getragenen dramatischen Gesange leistet sie das Höchste, und als Donna Diana, Leonore, Iphigenie, Eglantine, Fides, Valentine, Jüdin steht sie auf dem Gipfelpuncte der Kunst.

Von Rollen, in denen die Coloratur die Leistungen zu einer bedeutenden erhebt, sind zu nennen: Rezia, Norma, Lucrezia Borgia, Antonina, Romeo. Die Kunstkritik schildert sie folgender Maßen: »Die imposante Figur, die schöne Fülle und Run­dung der Formen, die Tiefe des Teints, den kühnen Schnitt des Antlitzes, die Schwärze ihres Haares, die heiße Glut ihrer großen schwarzen Augen, die hohe Lei­denschaftlichkeit der Empfindung, die Reizbarkeit der Phantasie, mit einem Worte, die dramatische Verve verdankt sie ihrem italienischen Naturell; hingegen sind die Correctheit, die Züchtigkeit ihres Gesanges, die bewundernswerthe Ausdauer, das Edle und Ideale des Gefühls, womit sie jede ihrer Gestalten ausstattet, und zuletzt die Unterordnung des eigenen Ichs unter die strengsten Bedingungen der Kunst, die Kunstweihe und Kunstkeuschheit, die Ergebnisse deutscher Kunstbildung.

Ihre Stimme umfaßt 2 Octaven, so daß die Pole moderner Gesangeskunst: die Kö­nigin der Nacht und die Fides, ihr gleich bequem liegen. Dramatischer Ausdruck gilt für ihre Künstlerschaft ihr als das höchste erste Gesetz, wie ihre künstlerische Devise ist: »Kraft, Seele, Leben.«

Leipziger Illustrirte Zeitung (Weber, Fol.) 1855 vom 12. Mai, Nr. 619, mit dem xylo­graphirten Porträte der Künstlerin.

Dr. Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Wien, 1856.


30-06-03* (Behrend-Brandt)