Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1906) / t_582

Braun, Karl Otto, Genre- und Landschaftsmaler, * 24. Dezember 1852 in München, † 8. Febr. 1904 ebendas. – B. erhielt, sobald seine künstlerische Begabung frühzei­tig hervortrat, im Hause und unter der Schulung des Vaters, des als Xylograph und Maler so wohlbekannten Kaspar Braun (A. D. B. XXXXVII, 198), des Schöpfers der »Fliegenden Blätter« und Begründers der weltberühmten Firma »Braun und Schnei­der« den ersten grundlegenden Unterricht nebst einer vortrefflichen, allseitigen Bil­dung. Weitere Förderung wurde auf der Akademie unter Arthur von Rambergs (A. D. B. XXVII, 203) Leitung, woselbst B. längere Zeit nach dem Vorbild des treffli­chen, im koloristischen Sinne mit Karl von Piloty rivalisierenden Meister zum Genre­fach sich bekannte, dann aber, seiner inneren Veranlagung folgend, gänzlich zur Landschaft überging, ohne sich einem bestimmten Vorbilde anzuschließen. Auf bei­den Gebieten erreichte er gleich ehrenvolle Anerkennung, trotz seines immer be­scheidenen Rückhaltens. Er drängte sich nicht in die Ausstellungen, schwur auch zu keiner der Parteien, förderte aber mit aufopfernder Mühewaltung und unermüdli­cher Ausdauer alle Interessen der Künstlerschaft, verschönte ihre festlichen Veran­staltungen mit geschickten und humoristischen Inszenierungen.

In seinen landschaftlichen Bildern »zeigte er eine stille, gediegene, freilich auf weni­ge Töne gestimmte, immer aber liebenswürdige Individualität«; »seine nebelfeuch­ten Tage und wohligen stillen Nächte erwecken einen stark naturhaftträumerischen Eindruck«. In den weichen, duftigen Stimmungen, in denen er am liebsten die scheidende Stunde des Tages und die Dämmerung mit dem aufsteigenden, durch den jungen Birkenbestand schimmernden Mond schildert, athmet eine leise klin­gende, sanfte lyrische Schwermut. Es war ein guter Teil Eichendorff in ihnen, freilich wenig von dessen fröhlicher Wanderlust. In rein malerischer Beziehung blendeten die Werke nicht; sie waren weder virtuos gemalt – getreu der Dichterregel, daß »Natur und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vortrage« – noch großartig ge­zeichnet, sondern bescheidene, anspruchslose symphonische Sätze lieblicher Innig­keit.

Bei seinem Begräbnis ergab sich eine überraschende Teilnahme als sprechender Beweis, daß der zeitlebens immer bescheidene Mann aufrichtige Freunde und Ver­ehrer in den weitesten Kreisen besaß.

Eine Ausstellung seines Nachlasses im Münchener Kunstverein machte den größe­ren Teil der Beschauer erst mit den hochachtungswerten Bestrebungen und Leis­tungen dieses Künstlers nachträglich bekannt.

Vgl. Nr. 44 und 71 »Bayer. Kurier« 13. Februar und 11. März 1904. Nr. 59 »Augsbur­ger Postzeitung« 12. März 1904. Nr. 35 »Münchener Zeitung« 12. Febr. 1904. – Brauns Name fehlt bei Singer und Fr. v. Bötticher, auch im Bericht des Münchener Kunstvereins, welcher, gegen seine bisherige Gepflogenheit, keinem seiner im Jah­re 1904 verstorbenen Mitglieder einen Nachruf widmete.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1906.


07-10-04/05 (Braun)