Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1900) / t_665

Dahn-Fries, Sophie, Malerin, * 13. April 1835 zu München, † daselbst 23. Januar 1898, Gattin des Dichters, Geheimen Justizraths und Universitätsprofessors Dr. Fe­lix Dahn. Ausgestattet mit einem hervorragenden Talent für Gesang, Musik und Malerei, widmete sie sich nach vollendeter Erziehung ihres einzigen Sohnes ganz der Kunst und cultivirte mit schönem Erfolg das Gebiet der Landschafts- und Blu­menmalerei. Im Jahre 1887 trat sie mit zwei, »Erntezeit« und »Waldinneres« be­nannten, Bildern in die Oeffentlichkeit, auch mit kleinen, wohl arrangirten Stillleben und Blumenstücken. Insbesondere wendete sie ihre Obsorge auf die seit 1868 durch Frau Staatsrath von Weber in München entstandene »Kunstschule für Mäd­chen« und förderte diese rasch aufblühende Anstalt, welche jetzt ein schönes Haus, ein wahres »Künstlerinnen-Heim« mit prächtigen Ateliers besitzt. Sie veranstaltete nicht nur die fröhlichen Vereinsabende, sondern auch die Ausstellungen von Arbei­ten der Schülerinnen, insbesondere bei den zweckmässigen und gedeihlichen »Weihnachtsmärkten«, sie förderte jederzeit die gemeinsamen Interessen (Vor­schussfond, Krankenversicherung) und widmete den Interessen dieser Anstalt ihre ganze Arbeitskraft. Als 1886 eine financielle Krisis drohte, trat sie mit opferwilliger Zuversicht mit ihrem Credit in die Bresche und rettete das junge Unternehmen. Mit feinem Takte wusste sie jene falsche Emancipation, welche nur zu häufig eine ge­fährliche Klippe der Frauenfrage bildet, ferne zu halten.

Vgl. Nr. 57 »Neueste Nachrichten« 5. Februar 1898.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1900.


30-01-14 (Cucumus & Dahn & Dahn-Fries)