Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1898) / t_1340

Stieler, Max, Maler, * am 16. Februar 1825, † am 23. Juni 1897 zu München.

St. war der älteste Sohn des seiner Zeit so viel gefeierten Porträtmalers Joseph von Stieler (1781-1858), besuchte die Akademie, arbeitete im Atelier seines Vaters und copirte viele Bildnisse desselben, litt aber unter der Berühmtheit des Namens, so dass er zu keiner freien, selbständigen Thätigkeit gelangte. Desshalb wendete sich St. zur Genremalerei und lieferte mehrere anspruchslose, gemüthvolle Bilder, z. B. »Schiller in Ausübung seiner ärztlichen Praxis als Medicus beim Grenadier-Regi­ment des General Augé, einen Verwundeten verbindend«; eine am Feiertag im Ge­betbuch »Lesende Frau« (1862); eine »Schnitterin« (1864), einen »Zillerthaler Bau­er« (1872) u. s. w. Bei verschiedenen Künstlerfesten trat er als Redner auf (auch 1868 bei der Trauerfeier für König Ludwig I.), dichtete für die Künstlergenossen­schaft und Liedertafel viele Prologe und komische Scenen, darunter das in altbaye­rischer Mundart verfasste Zwiegespräch »Philemon und Baucis« (1881) und errang auf den Bühnen des Residenz- und Volkstheaters vielfachen Beifall durch mehrere dramatische Dichtungen und Lustspiele, darunter »Der blaue Teufel«, »Aus Dazu­mal und Heute«, »Der Schatz«, das culturhistorische Dramolet »Gluck in Trianon« und eine Tragödie »Fra Filippo«. Aber auch hier beengte ihn die glänzende Popula­rität seines jüngeren Bruders Karl Stieler (1842-1885), der mit seinen lebensprühen­den Gedichten, insbesondere in altbayerischer Mundart, sich hervorthat. So zog er sich ganz von der Oeffentlichkeit zurück und begann das reiche Material zur Ge­schichte und Biographie seines Vaters zu ordnen, eine Arbeit, welche St. jedoch nicht mehr zustande brachte, da derselbe nach langen Leiden starb.

Vergl. No. 174 »Allgemeine Zeitung« vom 25. Juni 1897.

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1898.


ML-248/249 (Stieler)