Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog (1897) / t_569

Boller, Ludwig, Landschaftsmaler, geboren am 28. April 1862 zu Frankfurt am Main, erhielt seine erste Ausbildung am Städel’schen Institut daselbst, ging 1883 nach Karlsruhe zu Hermann Baisch und 1886 nach München, wo er sich durch seine Landschaften alsbald einen geachteten Namen machte. Die malerischen Moosge­genden Oberbaierns boten ihm ein reiches Studienfeld: Weiden- und Erlen-be­grenzte Bäche mit schilfumstandenen Altwässern, sanfte Hügelflächen mit ehrwür­digen Eichen waren seine Lieblingsmotive, die er zu vielen, fein empfundenen Stu­dien und Bildern, darunter eine »Ernte« (1890), »Abend« (1892), welche im Kunst­verein gerne angekauft wurden, verwerthete. Auch beschickte er regelmässig die Ausstellungen im Glaspalast und in der sog. Secession, immer als wahrer Dichter bildend und schaffend, indem er zugleich aus der Technik der Neueren Nutzen zog ohne ihre Einseitigkeit zu theilen. Inzwischen bethätigte sich Boller bei der Ausfüh­rung grosser Rundgemälde als Gehülfe von Philipp Fleischer u. A. So übernahm er 1894 den landschaftlichen Theil des für Lemberg bestimmten Panoramas »die Schlacht bei Raclawice«; im folgenden Jahre erhielt er den Auftrag, mit einem pol­nischen Künstler ein Rundgemälde mit der Aussicht von der hohen Tatra darzustel­len. Mit Eifer unterzog er sich dieser Riesenarbeit und freute sich auf die Stunde, wo er wieder zu seinen zahlreich projectirten Staffeleibildern zurückkehren könne, verunglückte aber kurze Zeit vor der Vollendung des Panorama durch einen Sturz vom Gerüste am 11. Mai und verschied trotz sorgfältigster Pflege am 19. Mai 1896 – drei Monate nach seiner Verheiratung – innig betrauert von Allen, die seinen her­zensguten Charakter kannten und den originellen Künstler zu schätzen wussten. Sein überraschend reicher Nachlass von sorgfältig gewählten Studien, welche grösstenteils schon den Charakter der daraus zu erwartenden Bilder trugen, er­schien in drei Reihenfolgen im Dezember 1896 im Münchener Kunstverein; sie fan­den alle in kurzer Zeit dankbare und freudige Käufer.

»Kunst für Alle« vom 15. Novbr. 1893; F. v. Boetticher: Malerwerke des XIX. Jahrh. 1895. Nekrolog im Rechenschaftsbericht des Kunstvereins für 1896. S. 73.

H. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Berlin, 1897.


07-06-44 (Boller)