Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868) / t_749

Dr. Andreas Erhard

wurde geboren 1790 zu Bozen von armen Bauersleuten, welche er schon vor sei­nem 3. Lebensjahre verlor und deshalb zu einer Bäuerin nach Farchant in den baye­rischen Alpen in Verpflegung kam. Er studierte später auf Veranlassung und durch Unterstützung der Brüder seiner Mutter, die in verschiedenen Klöstern Ordensbrü­der waren, in den Klosterschulen zu Ettal und Wildenau und dann auf der Universi­tät Landshut. Als Klerikalseminarist entzweiete er sich mit seinen Vorgesetzten we­gen des Verbots klassischer Studien, gab nun das Studium der Theologie auf und widmete sich der Philologie. Der Unterstützung seiner Oheime beraubt, gieng er nach München und wurde Hofmeister der Kinder des Staatsministers von Zehntner, durch dessen Vermittlung er nicht lange nach Bestehung des philologischen Staats­konkurses eine Stelle als Studienlehrer und Präfekt am Knabenseminar in München erhielt.

Er war dann 1826–44 Lehrer am k. Hofe, von 1824 an auch Lehrer am Gymnasium zu München, wurde dann Professor der Philosophie an der dasigen Universität, starb daselbst als Hofrath am 27. Nov. 1846.

Eklektiker in der Philosophie, dramatischer Dichter. Sein in München gekröntes Preisstück »Heimeran« führt uns die Ausbreitung des Christenthums in Bayern vor. Es ist ein kräftiges, national und religiös wohlthuendes Stück, in welchem aber die gehäuften und gedehnten Monologe allzusehr die dramatische Raschheit hemmen. »Wallace« stellt den Kampf der Schotten und Engländer unter Eduard I. kräftig, dramatisch, in rascher Entwicklung und edler Sprache dar. Doch findet sich auch hier manches Gedehnte. – Meusel 17, 520. 22. 2, 70. Kehrein, Dr. P. 2, §. 153.

Heimeran. Trsp. Mn. 1819. – Möron, philos. ästhet. Phantasien in 6 Gesprächen. Passau 1826. – Wallace. Hist, romant. Trsp. Stg. 1831. – Handbuch d. Logik. Mn. 1839. – Handbuch d. Moralphilosophie. Mn. 1841. 2. A. 1854. – Metaphysik. R. 1845.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.


15-01-47 (Erhard)