Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868) / t_1360

Dr. Franz Trautmann

wurde geboren am 28. März 1815 zu München, studierte daselbst, machte dann in Begleitung eines Engländers große Reisen, prakticierte hierauf einige Zeit als Ju­rist, dazwischen der Malerei huldigend und sie übend, entsagte dann diesen Be­schäftigungen und ergab sich ganz der Schriftstellerei.

Tr. ist ein Volksschriftsteller. Ihm ist im Jahr 1868 vom König von Bayern in Anerken­nung seiner aus der Geschichte Bayerns geschöpften belletristischen Schriften und seiner Mitwirkung bei Gründung des bayrischen National-Museums das Ritterkreuz I. Kl. des Verdienstordens vom heil. Michael verliehen worden. »In seinen Schriften waltet herzliche Naivetät und ein gewisser Zauber wohlthuenden Humors; es tritt in religiöser Beziehung nach keiner Seite hin Verletzendes auf, während fromme Wärme für Sitte und Katholicität sichtbar ist.« Heindl 2, 553. – «Fr. Trautmann, der später bei der Prosadichtung ausführlicher zu besprechen ist, hat auch eine Reihe von dramatischen Dichtungen veröffentlicht, die seinen Romanen jedoch nicht ebenbürtig, sind. Aus der römischen Geschichte bearbeitete er den »Jugurtha, Trauerspiel in 5 Akten« (München), in welchem sich die Handlung in so große Breite verirrt, daß die Uebersichtlichkeit ganz verloren geht. In den übrigen Stücken hat er sich schon in den Stoffen vergriffen, die eher zur novellistischen als zur dramati­schen Behandlung geeignet sind, daher die Entwickelung unklar ist, wie im »Schloß Latour, Original-Lustspiel in 4 Akten« (München 1846), dessen Handlung oft stehen bleibt, und wie in »Frauenhuld tilgt jede Schuld, historisches Charakter-Lustspiel in 5 Akten« (Eb. 1853). Gelungener als diese sind: »Das Debüt wider Willen, dramati­scher Scherz in 1 Akt« (Eb. 1851) und »Blemers Leiden oder Ein Gedicht, Original-Lustspiel in 1 Akt« (Eb.), welches nach Anlage und heiterer Ausführung als sein bes­tes Drama zu bezeichnen ist.« Kurz 4, 49l. – Lindemann 697. Litz. 1856, 84. 1861, 208.

Proteus. Zwei Dichtungen. München 1843. – Eppele von Gailingen. Frankfurt 1852. – Die Abenteuer des Herzogs Christoph von Bayern. Frankfurt 1852-53. 2 Bde. 2. A. 1857. – Die gute alte Zeit. Frankfurt 1855. – Chronika des Herrn Petrus Röckerlein. Frankfurt 1856 2 Thle. – Das Plauderstüblein. Für Alt und Jung erzählt. München 1855. – Münchener Stadtbüchlein. München 1856. – Münchener Geister. München 1858. – Ludw. Schwanthalers Reliquien. München 1858. – Heitere Stadtgeschichten aus alter Zeit. Kühn und munter, fromm mitunter. Frankfurt 1861. – Die Alt-Münche­ner Wahr- und Denkzeichen. München 1864. – Das Gleichen-Denkmal im Marien­dom zu Erfurt und Ernst III., der Zweibeweibte, Graf von Gleichen. 3 kritisch-histo­rische Betrachtungen. Erfurt 1866. – Kunst und Kunstgewerbe vom frühesten Mit­telalter bis Ende des 18. Jahrh. Nördlingen 1869. – Beiträge in verschied. Zeitschr.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.


19-13-05/06 (Trautmann)