Biographie jetzt lebender, oder erst im Laufe des gegenwärtigen Jahrhunderts verstorbenen Personen, welche sich durch Thaten oder Schriften denkwürdig gemacht haben (1826) / t_1115

Mussinan (Joseph Ritter v.), königl. baier’scher Ministerial- und General-Fiscalats­rath, Mitglied der königl. Akademie der Wissenschaften in München, ward den 13ten December 1766 in Viechtach im baier’schen Walde geboren. Er erhielt seinen ersten Unterricht in Regensburg und Straubing. alsolvirte im Jahr 1784 in München die Rhetorik, und bezog ein Jahr darauf die Universität zu Ingolstadt. Nachdem er hier in 3 Jahren die philosophischen und juridischen Studien beendigt, das Diplom als Lizenziat, mit der ersten Note, erhalten und in den Jahren 1787 bis 1789 advo­cirt hatte, wurde er in dem letzteren Jahre als Regierungsrath in Burghausen ange­stellt. Unter Maximilian Joseph ward er als Regierungsrath nach Landshut, dann im Jahr 1802 als Hofgerichtsrath nach Straubing berufen, im Jahr 1813 zum Oberfi­nanzrath ernannt, in welcher Eigenschaft er bey der königl. Ministerial-Steuer- und Domainen-Section die fiscalischen Arbeiten zu besorgen hatte, und endlich bey der im Jahr 1817 eingetretenen Organisation zum Ministerialrath befördert, zugleich auch als Mitglied bey der neu geschaffenen Stelle des General-Fiscalats verwendet.

Von Mussinan verehelichte sich im Jahr 1793 mit einer gebornen v. Altmann, aus welcher Ehe ihm drey Söhne und eine Tochter am Leben sind.

Er hat sich nicht nur als Staatsdiener hervorgethan, sondern auch durch mehrere Schriften im Fach der Geschichte bekannt gemacht. Von diesen führen wir hier fol­gende an: Das Schicksal Straubings während des dreyßigjährigen Krieges. – Ludwig der Baier, und das Jahr 1809. – Gedicht auf das Kriegs-Jahr 1805. – Die Geschichte Straubings während der Kriege in den Jahren 1632, 1705 und 1742. – Geschichte des Löwler Bundes. – Baierns Regierungs-Gemälde. – Vaterländisches Schauspiel, Bernhard von Stauffen. – Die Geschichte der französischen Kriege in Baiern 1796, 1800, 1805 und 1809.

Von Mussinan beschließt die Vorrede zu seinem Werk über die Befestigung und Be­lagerung Straubings mit den Worten:
»Bey dem Unternehmen gegenwärtiger dritten historischen Arbeit erkläre ich hie­mit, dabey durchaus keinen andern Zweck zu haben, als die mir von meinen Berufs-Geschäften übrig bleibende Stunde zu solchen Arbeiten in der Ueberzeugung zu benutzen, wenn auch nur eine einzige noch unbekannte historische Ursache einigen Werth hat, ich hinreichend schon dadurch entschädigt bin, etc.«

Nach dieser Erklärung darf man an v. Mussinan’s Werke keine zu strengen Forde­rungen stellen, und erwarten, daß die gesammelten Materialien jedesmal zu einem erschöpfenden Ganzen sich ausbilden.

Freiherr Friedrich von Lupin auf Illerfeld: Biographie jetzt lebender, oder erst im Laufe des gegen­wärtigen Jahrhunderts verstorbenen Personen, welche sich durch Thaten oder Schriften denkwürdig gemacht haben. Stuttgart und Tübingen, 1826.


AA-62 (Mussinan)