Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_88

Abel Karl August, von, Ritter, 1788 (Wetzlar) – 1859, bayerischer Innenminister und Staatsrat; nach Studien in Gießen trat A. 1809 in den bayerischen Staatsdienst (Praktikant am Landgericht Dillingen, Sekretär bei der Hofkommission zur Vollzie­hung des Pariser Staatsvertrags mit Württemberg, Assessor bei der Regierung des Isarkreises, Stadtkommissär in Bamberg, Regierungsrat bei der Regierung des Isar­kreises, Ministerialrat im Innenministerium waren die wichtigsten Stufen seiner Laufbahn); 1832/34 war A. als Substitut des Regentschaftsrats in Griechenland, wo er zusammen mit G. L. von Maurer für Liberale Institutionen wirkte, seit 1838 war A. Innenminister; von Liberalen und Protestanten bekämpft, verlor er 1846 das neugebildete Kultusministerium und 1847 das Innenministerium, als er der Lola Montez das Bürgerrecht verweigerte und sein Memorandum in die Presse kam; er wurde dann Haupt der katholischen Opposition, kehrte aber 1848 zum abgedank­ten König wieder zurück und beriet den jungen König Max II.; ursprünglich Protes­tant, wurde er durch Philipps und seine zweite Gattin Friederike von Rienecker ka­tholischer Aktivist; Ludwigs I. »erster Staatsmann« (vom König selbst so genannt) verteidigte dessen Klosterneugründungen, erneuerte die katholische Tradition des Kurfürsten Max I. anläßlich der Kölner Wirren mit Spitze gegen Preußen, er war aber extrem in der Behinderung der evangelischen Gemeindebildung, der Konver­titenbegünstigung und der Überbetonung der monarchischen Autorität; dabei führte er trotzdem eine straffe Herrschaft über die Kirche; hinter seinen reaktionä­ren Maßnahmen stand im Grunde Ludwig I. selbst (»In Bayern regiert nicht der Mi­nister, sondern der König« Ludwig I.).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


ML-222/223 (Abel)