Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_421

Seidl Anton, 1844 (München) – 1898, Hofbäckermeister; auch er, der Bruder der be­rühmten Architekten Gabriel und Emanuel von S., ist als Kunstkenner und Kunstför­derer berühmt; 1799 hatte sein Großvater, Anton S. aus Großdingharting (Ldkr. Wolfratshausen), das Anwesen des »Bäckers durchs Haus« am Anger in München erworben; seit 1823 ist sein Vater im Besitz der Theatinerbäckerei, in der das Bä­ckergewerbe seit 1551 nachweisbar ist; nach Übernahme durch S. wurde die primi­tive Einrichtung rasch verbessert, die Qualität der Erzeugnisse gehoben und das »mürbe Gebäck« stadtbekannt; 1852 wurde der Grundbesitz an der Marsstraße er­worben, wo S. 1889 die Fabrik, die den Grundstock zum heutigen Großbetrieb bil­det, erbaute; hoher Sinn für angewandte Kunst, der in der Geschichte der Ss. gro­ße Namen einreihen konnte, hat auch diesen bürgerlichen Bäckermeister ausge­zeichnet, der der »kunstsinnige Bäck« genannt wurde und Mitglied der kulturpfle­genden »Gesellschaft zu den drei Schilden« (historischer Verein) war, ein Zeuge da­für, daß in Münchner Bürgersfamilien Kunst gepflegt wurde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


09-02-23 (Seidl)