Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_394

Rosipal Karl, 1844 (München) – 1924, Kaufmann und Spanischer Konsul; der 26jähri­ge Kaufmann ist schon so kapitalkräftig, das Maillot-Schlößchen mit dem Tierpark am Rand des Englischen Gartens an der Königinstraße zu kaufen; er bewohnt bis ins hohe Greisenalter das Schloß und genießt den ersten Münchner Tierpark, das langgestreckte Appartement für Raubtiere und eine Ritterburg für lichtscheues Vo­gelgetier; K. A. von Müller erzählt von R., der seine stadtbekannte Liebe im Thea­ter hatte und in einem feschen Gefährt täglich von seinem verschwiegenen Schlöß­chen in die Stadt fuhr; nicht mit Recht gilt R. als der Stifter des Glockenspiels am Turm des neuen Münchner Rathauses; er hat nämlich die größte Glocke (1,25 m Durchmesser und 1300 kg Gewicht) für das 1910 nach belgisch-holländischem Vor­bild geschaffene Glockenspiel gestiftet und dazu mußte die Stadt noch beisteuern, weil die Mittel des Großkaufmanns bereits erschöpft waren; 1933/34 wurde das gestiftete Geld an die Familie R. zurückbezahlt; R. entstammt einer angesehenen Münchner Kaufmannsfamilie – ein Möbelgeschäft trägt heute noch den Namen »Ro­sipal-Haus« -, seine Vorfahren wurden vom König mit Verdienstorden ausgezeich­net, Karl Michael R. erhielt 1835 das Privileg zur Anfertigung einer in Frankreich er­fundenen Maschine zur schnelleren Fabrikation von Ziegelsteinen.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


MR-235/236 (Rosipal)