Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_370

Von der Pfordten Ludwig, von, Freiherr, Dr. jur., 1811 (Ried/Oberösterreich) – 1880, bayerischer Außenminister, Vorsitzender im Ministerrat und Universitätsprofessor; nach juristischen Studien auf den Universitäten Erlangen und Heidelberg trat er in den bayerischen Staatsdienst; zunächst ergriff er die Dozentenlaufbahn (Professor des römischen Rechts und des bayerischen Zivilrechts in Würzburg), wurde aber dann Appellationsgerichtsrat in Aschaffenburg (gegen seinen Willen wegen seiner freisinnigen Richtung versetzt); von 1843–1848 ist P. Professor in Leipzig, wo er Mit­arbeiter der von Gervinus gegründeten »Deutsche Zeitung« und sächsischer Minis­ter (Innen-, Außen- und Unterrichts- und Kultusminister) wurde; nach seinem Rück­tritt 1849 wurde er bayerischer Staatsminister des Königlichen Hauses und des Äu­ßern, Vorsitzender im Ministerrat, bayerischer Gesandter am Bundestag in Frank­furt, zuletzt wieder Staatsminister des Königlichen Hauses und des Äußern sowie Vorsitzender im Ministerrat (etwa im Rang und in der Funktion des heutigen »Minis­terpräsidenten«), als solcher verhandelte er 1866 mit Bismarck und unterzeichnete den Friedens- und geheimen Bündnisvertrag mit Preußen; von der Pf. hat sich ent­schieden, aber vergebens, gegen die kleindeutsche Lösung, den Anschluß an Preu­ßen unter Ausschluß von Österreich, gewehrt. (Das Mädchenstandbild – von J. Halbig – erinnert daran, daß er ein vierjähriges Töchterlein verlor, dem er sein Le­ben lang nachtrauerte.)

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


33-05-09 (Pfordten)