Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_361

Patz Hermann Josef Michael, von, 1787 (München) – 1843, Advokat; er besuchte von 1798 – 1803 das Gymnasium, dann das Lyzeum zu München und bildete sich auf der Universität Landshut bei den Rechtsgelehrten Krüll, von Mosham, N. Th. von Goenner, von Kellersberg und von Leveling aus; von 1808/09 war er am Land­gericht Landshut, dann als Akzessist am Kriegsgericht in München angestellt; 1811 wurde P. in Anerkennung seiner Leistungen zum Advokaten und zum Vertreter der Stiftungen in Fällen, in denen das Finanzärar mit denselben und umgekehrt kolli­diert, am Stadtgericht München ernannt; er war ein gewissenhafter Advokat, der nur einen Prozeß übernahm, wenn er überzeugt war, daß das Recht wirklich auf Sei­te der Partei stand, der er Beistand leisten sollte; sein ganzes väterliches Erbe, vermehrt durch Arbeit und Sparsamkeit, wollte P. dem Trappistenorden in Frank­reich unter der Bedingung zuwenden, daß dieser die Torfmoore in Bayern austrock­ne, als sich aber die Verhandlungen zerschlugen, vermachte er dies der Witwen- und Waisenkasse der Advokaten; »Wohlan, so will ich der Vater der Witwen und Waisen werden, wohlan, ich will, soweit ich es vermag, die Lücke ausgleichen, die im Betreff meiner Amtsbrüder besteht, indem der Staat sie als seine Diener be­trachtet und behandelt, aber keine Mittel findet für die gebrechlichen Alten, für die in Armut und Elend Hinterlassenen«, äußerte er sich, als er 1842 294 884 fl. dem Advokaten-Witwen- und Waisenfond testamentarisch überließ; dieser große Wohl­täter verdient es gewiß, aus der Vergessenheit geweckt zu werden.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


AA-64 (Patz)