Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_359

Westermayer Anton, Dr. theol., 1816 (Deggendorf Ndb.) – 1894, Stadtpfarrer und päpstlicher Hausprälat; 1840 zum Priester geweiht, schrieb W. schon als Dompredi­ger von Regensburg historische Arbeiten (Die Reformation und ihre Einführung in Regensburg); 1849 wurde der Günstling I. von Döllingers, vom König gefördert, in den bayerischen Landtag gewählt; seit 1850 Prediger bei St. Peter und seit 1853 Hofprediger bei St. Michael, wurde W. schließlich 1860 Stadtpfarrer bei St. Peter in München; mitten in der kirchenpolitischen Bewegung wurde er 1874 Mitglied des deutschen Reichstags (bis 1884); W. stand seit Beginn der sechziger Jahre im schar­fen Kampf gegen den Liberalismus und Fortschritt; als man ihm vorwarf, er habe gesagt, den Fortschritt soll der Teufel holen, verteidigte er sich mit der Behaup­tung, er habe den Fortschritt, »den ohne Gott«, gemeint; wegen seines Mutterwit­zes war er ein beliebter Volksredner, scharf in der Polemik und streng kirchlich; sei­ne Schriften (Bauernpredigten, die auch Stadtleute brauchen können, Passionspre­digten [8 Bde.], Das Kirchenjahr 13 Bde.], Katholisch oder protestantisch?, Das Papsttum in den ersten 500 Jahren, Döllingers Stellung zur katholischen Kirche) wa­ren für ihre Zeit bedeutend, haben aber nur geringen wissenschaftlichen Wert; W. war eine populäre Erscheinung Münchens, der u. a. auch mit J. N. von Nußbaum befreundet war.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


ML-272/277 (Stadtpfarrei St. Peter)