Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_347

Nußbaum Johann Nepomuk, Dr. med., von, Ritter, 1829 (München-Haidhausen) – 1890, Chirurg, Generalstabsarzt und Universitätsprofessor; schon als Gymnasiast in seiner Vaterstadt behandelte N. kleine chirurgische Fälle seiner Mitschüler (Schnitt­wunden, Zahngeschwüre, böse Finger, Abszesse u. a.); nach Studien in seiner Hei­matstadt, in Paris, Berlin und Würzburg habilitierte er sich 1857 in München für Chirurgie und Augenheilkunde, errichtete ein großes Privatkrankenhaus mit einem orthopädischen Institut und erhielt 1860 die Professur der Chirurgie und Augen­heilkunde; im Deutsch-Französischen Krieg war er zunächst Oberstabsarzt im Stab von General Von der Tann und wurde dann zum Generalstabsarzt befördert; einen Ruf nach Zürich lehnte er aus Liebe zur Heimat ab; N. hat sich als Direktor der chir­urgischen Abteilung des Krankenhauses links der Isar durch Einführung der Lister­schen Wundbehandlung, mit der der »Spitalbrand« bekämpft wurde, verdient ge­macht, seine ganz besonderen Verdienste liegen aber auf dem Gebiet der Kriegs­chirurgie, auf seine Anregung geht einigermaßen die Blutübertragung zurück; er war ein geschickter Operateur und wegen verschiedener chirurgischer Erfindungen seiner Zeit weit voraus; persönlich war er eine volkstümliche Erscheinung Altmün­chens, der mittellose Kranke nicht nur kostenlos behandelte, sondern auch unter­stützte, ein bekenntnistreuer Katholik in der Zeit des Kulturkampfes und ein deutschnationaler Patriot: (sein einziger Bruder Franz [1826–1843] war Jesuit in Amerika).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


MR-SP-1-15 (Nußbaum)