Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_298

Lichtenthaler Philipp, von, 1778 (Sulzbach/Oberpfalz) – 1857, Direktor der Bayeri­schen Hof- und Staatsbibliothek und Universitätsprofessor; nach Studium der Philo­sophie und evangelischen Theologie wurde L. 1811 vom Gymnasium Bamberg ans Münchner Wilhelms-Gymnasium berufen, dabei war er zugleich Prinzenerzieher am königlichen Hof; er verfuhr mit so übertriebener Strenge und Härte gegen seinen Zögling, den späteren König Max II., daß dieser während mancher Unterrichtsstun­de seine Aufmerksamkeit weniger auf den Lehrgegenstand als vielmehr auf die Fra­ge konzentrierte, wie er sich der Disziplinierung durch diesen Lehrer entziehen könnte; 1815 wurde L. Professor und Hofbibliothekar in Würzburg; 1825 nach Mün­chen versetzt, war er von 1826 bis 1855 erster Direktor der Bayerischen Hof- und Staatsbibliothek; durch planvolle Ergänzung der Bestände der Bibliothek, Überfüh­rung derselben in den Neubau an der Ludwigstraße und Loslösung der Bibliothek von der BAkdW hat sich dieser Vertraute König Ludwigs I. sehr verdient gemacht; der gelehrte klassische Philologe hat auch auf Anregung seines Königs für die von diesem neubegründete Skulpturen-Sammlung den Namen »Glyptothek« neuge­prägt, der zu einem internationalen terminus technicus geworden ist (z. B. Glypto­thek von Kopenhagen).

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


25-12-17 (Kleinschrod & Lichtenthaler & Linsmayer)