Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_247

Huber Johann, gen. »Finessensepperl«, 1763 (München) – 1829, Altmünchner Origi­nal aus der Biedermeierzeit; er war anfangs des 19. Jahrhunderts der populärste Mann in München, der erste Postillon d’Amour Münchens, der in allen Häusern er Zutritt hatte; schlau war er und schien gerade das Gegenteil davon zu sein, er konnte nicht lesen und schreiben und verstand sich doch darin, selber hat er ge­liebt, seine beständige Liebe war die »rote Nanni«, der die Buben schreiend nach­liefen; der Finessensepperl bettelte nie, allein seine Mienen drückten hinlänglich aus, was er nicht sagte, und reichlich flossen ihm Gaben zu; heute gibt es keine öf­fentlichen Charaktere dieser Art mehr (nach Fischers Mundartwörterbuch – 2. Bd., 1504 – bedeuten Finessen »Mucken im Kopf haben«); nach Grabbuch enthält diese Grabstätte die letzten Überreste dieses Originals, jedoch wird fest behauptet, daß sein Skelett in der Anatomie ausgestellt wird, weil der kleine Mann (Abbildung bei Wo, 203 [Georg Jacob Wolf, Ein Jahrhundert München, 3. Aufl., Leipzig 1935]) eine Rippe mehr als alle anderen Menschen hatte.

Werk: Der aufrichtige und wohlerfahrene Finessenmann, wie er leibt und lebt, oder Leben Thaten und Schicksale des Herrn Joseph Huber, Finessensepperls aus Mün­chen, 2. A., 1818.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


13-04-27 (Huber)