Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_197

Grauert Hermann, Dr. phil., von, 1850 (Pritzwalk/Brandenburg) – 1924, Historiker, Universitätsprofessor und Geheimrat; nach vierjähriger kaufmännischer Beschäfti­gung studierte G. in Münster, Göttingen, Berlin, Straßburg und München, 1877 wurde er Praktikant beim Allgemeinen Reichsarchiv in München; nach seiner archi­valischen Staatsprüfung arbeitete G. zunächst im Auftrag der BAkdW in den von Leo XIII. eben eröffneten vatikanischen Archiven; seit 1884 Professor in München, leitete er 1900 die Ausgrabungen der Kaisergräber im Speyrer Dom; seine vielen durch archivalische Funde bereicherten Abhandlungen, besonders zur Geschichte der Papstwahl, zur Reichstheorie, Romgedanke und Friedensidee im Mittelalter, zum spätmittelalterlichen Geistesleben (Dante, Petrarca), aber auch zur Geschichte der Bismarck-Zeit, erwiesen ihn als Meister der Urkunden- und Quellenkritik mit stark rechtshistorischer Ausprägung; als Nachfolger des ihm politisch wie weltan­schaulich eng verbundenen G. von Hertling stand er 1920/24 der Görres-Gesell­schaft als Präsident vor, er war auch Mitglied der BAkdW.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


42-12-06 (Grauert)