Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_1306

Sepp Johann Nepomuk, Dr. phil., 1816 (Bad Tölz/Obb.) – 1909, Historiker, Universi-tätsprofessor und Politiker; nach seinen philosophisch-historischen Studien zu Mün­chen unternahm S. eine Reise nach Syrien, Palästina und Ägypten und erhielt 1846 die Professur für Geschichte an der Münchner Universität, (wurde aber 1847 im Zusammenhang mit der Lola-Montez-Affäre abgesetzt und aus der Hauptstadt ver­bannt); 1848 wurde er in das Frankfurter Parlament, 1850 in die bayerische Abgeordnetenkammer gewählt; seinen Lehrstuhl erhielt er 1850 wieder, mußte ihn aber 1867 wegen persönlicher Streitigkeiten abermals räumen; 1868 wurde er in das Zollparlament und wiederholt in die 2. Kammer gewählt, in der er 1870/71 ein be­geisterter Vertreter der deutschnationalen Sache war; eine im Auftrag von Bis­marcks 1874 unternommene Reise beschrieb er in der »Meerfahrt nach Tyrus zur Ausgrabung der Kathedrale von Tyrus mit Barbarossas Grab«.

Hauptwerke: Beiträge zur Geschichte des bayerischen Oberlandes, Bayern und die neue Ära, Ludwig Augustus, König von Bayern, Altbayerisches Sagenschatz, Religionsgeschichte von Oberbayern; S. vertritt in seinen gelehrten und anregenden Werken manche willkürlichen Anschauungen, der Universalinteressierte verstand nicht immer sein ausgedehntes Wissen in Ordnung zu halten, weshalb er von Spöt­tern die »umgestürzte Bücherkiste« genannt wurde.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


MR-195 (Merz & Sepp)