Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_127

Brinz Alois, Dr. jur., von, 1820 (Weiler/Allgäu) – 1887, Jurist, Universitätsprofessor und Politiker; B., Sohn eines Juristen, in Kempten Mitschüler von H. von Lingg, stu­dierte in München und Berlin klassische Philologie und Rechte, habilitierte sich 1850 in München, war Universitätsprofessor in Erlangen, wo er »Kritische Blätter zi­vilistischen Inhalts in zwanglosen Heften« 1852/53 herausgab, und seit 1857 Pro­fessor in Prag, wo er sich politisch betätigte (liberales Mitglied des böhmischen Landtags und des österreichischen Abgeordnetenhauses) und den Verein zum Schutze deutscher Interessen im Ausland (einen Vorläufer des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland) begründete; 1859 hielt er auf dem Waldsteinplatz in Prag eine große Rede auf Schiller; eine Berufung nach Wien (1865) wurde von der Regie­rung nicht bestätigt; er ging dann 1866 nach Tübingen, bis er 1871 in München die Professur für römisches Zivilrecht erhielt; Berufungen nach Wien, Heidelberg und Berlin lehnte B. ab.

Hauptwerke: Notamina ad usum fructum, Die Lehre von der Kompensation, Arbor actionum; Lehrbuch der Pandekten (2 Bde., 2. Aufl., 1873/94, 4 Bde.), Zum Recht der bonae fidei possessio, Über die Zeit im Rechte, Über den Einlassungszwang im römischen Recht; als ungemein fruchtbarer und bahnbrechender juristischer Schrift­steller verleugnete B. seinen scharf kritischen Standpunkt nirgends.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


MR-153/155 (Brinz)