Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_1255

Schmid Josef Leonhard, genannt »Papa Schmid«, 1821 (Amberg/Oberpfalz) – 1912, Vereinsaktuar und Begründer des Münchner Marionettentheaters; als 16jähriger Buchbinderlehrling war Sch. Ende 1837 nach München gekommen, wo er schließ­lich Aktuar des Unterstützungsvereins für das Amts- und Kanzleipersonal wurde; 1858 machte er dem bekannten Jugendschriftsteller Graf Franz von Pocci den Vor­schlag, »ein Marionettentheater für Kinder zu errichten und auf demselben (im Ge­gensatz zu den damals beliebten rohen Hanswurstiaden) nur solche Stücke zur Auf­führung zu bringen, die dieselben nicht bloß unterhalten, sondern auch Sittlichkeit und Religiosität mehr und mehr in den Kinderherzen erwecken und erstarken ma­chen sollten«; von Graf Pocci stammen 53 Stücke, für die das Münchner Marionet­tentheater das Alleinaufführungsrecht besitzt; nachdem Sch. auch das Miniaturthea­ter des Generals von Heideck erworben hatte, fand am 5. März 1858 die Erstvorstellung mit »Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß« von Pocci statt; trotz großer Erfolge hatte er einen schweren Existenzkampf um sein Theater, das vielfach wandern mußte, zu bestehen, bis im Herbst 1900 das heutige Marionetten­theater an der Blumenstraße eröffnet wurde; 55 Jahre hat Sch. der Jugend und den Erwachsenen als humorvoller Darsteller des lustigen Kasperls gedient, er wurde von den Kindern als »Papa Schmid« verehrt, und sein Grab wird heute noch von den Kindern gern besucht.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


33-03-15 (Schmid)