Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983) / t_107

Baader Franz Xaver, Dr. med., von, 1765 (München) – 1841, Philosoph, Naturfor­scher, Oberbergrat und Professor; zuerst übte B. den Arztberuf aus, in England stu­dierte er das Bergwesen und die Philosophen Böhme, Humes und Hartley; 1814 veranlaßte seine Denkschrift an Österreichs, Preußens und Rußlands Herrscher die Entstehung der Hl. Allianz; die geistige Entwicklung des späteren Oberbergrats und Honorarprofessors zu München bestimmten auch Herder, Kant, Fichte, Schel­ling und Sailer, er selbst wirkte auf Schelling ein; die durchaus theistische Philoso­phie des scharfen Gegners des Rationalismus sucht Natur, Geist, Glauben und Wis­sen miteinander zu versöhnen; in seiner Gesellschaftslehre fordert B. die »Einbür­gerung des Proletariats« auf Grund der alles bindenden und lösenden religiösen Idee, ein Bahnbrecher des christlich-sozialen Gedankens; obwohl er der Kirche treu bleiben wollte, brachte sein ausgesprochener Subjektivismus ihn zuweilen mit ihr in Widerstreit; System und Ausdrucksform dieses Romantikers sind oft unklar, seine Spekulation jedoch tief mit vielen Anregungen; Bs. große Bedeutung für die Geis­tesgeschichte ist unbestritten (Franz-von-Baader-Gesellschaft); sein Wohnsitz in Mitterschwabing wurde das »Baader-Schlößl« genannt.

Hauptwerke: Fermenta cognitionis, Grundzüge der Sozietätsphilosophie, Sämtliche Werke herausgegeben von F. Hoffmann, 16 Bde.

© Dr. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.


14-12-13 (Baader)