Berliner Entomologische Zeitschrift (1886) / t_1507

Nekrolog.


Edgar von Harold.

Die vorstehend zum Abdruck gebrachten Beschreibungen neuer coprophager La­mellicornien enthalten die letzten entomologischen Zeilen des Königlich Bayerischen Majors a. D. und Kammerjunkers, Edgar Freiherrn von Harold, welcher am 1. August 1886 zu Possenhofen am Starnberger See im 56sten Lebensjahre verstarb. »Die wenigen Worte der Vorrede führen gleichsam entschuldigend des Schreibers leidende Gesundheit an, während es damals schon ein furchtbar schweres qualvol­les Leiden war, gegen das der Arme mit bewundernswürdiger Energie und Selbst­beherrschung zu ringen suchte bis zum Aeussersten (Worte seiner Wittwe, der Freifrau Emilie v. Harold, geb. Brandt).

Edgar Freiherr von Harold wurde geboren in München am 30. Mai 1830 als Sohn des im Jahre 1860 zu Nürnberg als General-Kommandant verstorbenen General-Lieutenants Adam Frhr. v. Harold, der seinerseits einer englischen Familie entstammte. Er genoss seine Erziehung in der Königl. Bayerischen Pagerie und absol­virte im Jahre 1848 das Gymnasium mit der ersten Note. Hierauf trat er als Lieuten­ant in das Infanterie-Leibregiment ein und diente bis 1869, in welchem Jahre er als Hauptmann I. Classe quittirte. Dazu veranlasste ihn zunächst die Wahrnehmung, dass bei den, nach dem Feldzuge von 1866 fortwährend sich steigernden militäri­schen Anforderungen, seine entomologischen Beschäftigungen mit den Dienstob­liegenheiten nicht mehr vereinbar blieben. Seine Dienstzeit hat er einmal durch ei­nen einjährigen Urlaub, den er in Spanien und Marokko zubrachte, unterbrochen, ausserdem besuchte er, bei anderen Gelegenheiten, wiederholt Paris, London, Rom und andere Hauptstädte Europa’s. Die Friedensjahre wurden von ihm mehrfach zum Besuche von Collegien an der Universität benutzt. Bei Ausbruch des Krieges im Jahre 1870 trat er wieder in Verwendung beim Generalstabe ein, erhielt den Majorsgrad und schied nach dem Friedensschlusse aus der Aktivität wieder aus. Entomologischen Beschäftigungen seit seiner Jugend hingegeben, lenkte er in wis­senschaftliche Bahnen seit 1859 ein. Ausser den vom ihm und Dr. Gemminger ge­meinschaftlich herausgegebenen »Catalogus coleopterorum hucusque descriptorum synonymicus et systematicus«, Monachii 1868-1876 (12 Bände), 77 008 Arten umfassend, einem Werke von erstaunlicher Ausdauer und Gediegenheit, hat er eine stattliche Reihe von vorwiegend coleopterologischen Arbeiten in deutschen und französischen Fachzeitschriften, besonders in seinen »Coleopterologischen Heften« publicirt, von 1877 bis 1881 die (alsdann eingegangenen) »Mittheilungen des Münchener entomologischen Vereins« redigirt und wurde auf Grund seiner Leistungen zum Custos-Stellvertreter an die Entomologische Abtheilung des Berli­ner Königlichen Zoologischen Museums berufen, ein Posten, den er am 4. Mai 1877 antrat und am 1. Juli 1880 wieder verliess. Hier hat er sich auch mit Hemipteren, insbesondere Heteropteren zu beschäftigen angefangen, wovon zahlreiche von ihm mit seinen schönen, markigen Schriftzügen versehene Signaturen der Samm­lung zeugen.

Bei seinen Bestrebungen, der systematischen Nomenclatur Stabilität zu verschaffen und dem Grundsätze des »Suum cuique« gerecht zu werden, war ihm insbesondere der Umstand förderlich, dass er den klassischen Sprachen stets grosse Sorgfalt zu­gewendet hatte und dass ihm die französische, englische, italienische und spanische Sprache geläufig waren.

Für die Zeitschrift des Berliner Entomologischen Vereins, dessen Mitglied der Ver-storbene seit 1858 blieb, hat E. v. Harold sehr zahlreiche Aufsätze geliefert, welche in den Jahrgängen 1859, 1861, 1862, 1863, 1866, 1867, 1868, 1869, 1871, 1873, 1874, 1875, 1876, 1877, 1878, 1879, 1880, 1881 und 1884 niedergelegt sind.

Berliner Entomologische Zeitschrift. Berlin, 1886.


04-02-50 (Harold)