Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (8.3.1872) / t_1720

Friedrich Lossow, der bekannte geistvolle Thiermaler, starb in München am 19. Ja­nuar. Derselbe war im Jahre 1838 geboren und gehörte einer geachteten Künstler­familie an: sein Vater ist der wackere Bildhauer Arnold Lossow, der von König Lud­wig I. vielfach mit Aufträgen zur Herstellung von Büsten betraut wurde, sein Bruder der Genremaler Heinrich Lossow. Je seltener in unseren Tagen der echte Humor geworden, desto willkommener waren die Arbeiten Friedrich Lossow’s, welcher mit einer reichen Gabe davon ausgestattet war. Seit dem Ende der fünfziger Jahre brachte er eine Reihe zum Theil ganz köstlicher Bilder, so 1860 einen »Hofhund«, 1861 eine »Hündin mit ihren Jungen« und eine ungemein humoristische »Ratten­jagd«, in der die Angst des »armen« Thieres, um mit Siebel in Auerbach’s Keller zu sprechen, und die Hast der sich überstürzenden Hunde der verschiedensten Racen einen ansprechenden Gegensatz bildeten, 1862 wieder eine »Rattenjagd« mit einer Ratte und einem Pinscher, 1865 eine »ländliche Scene am Backofen«, 1866 eine »Hunde- und Affenkomödie auf der Reise«, 1870 einen »Dachshund«, der eine Pup­pe aus dem Kinderwägelchen geworfen, um sich auf dem weichen Bettchen dersel­ben ein behagliches Lager zu suchen. Friedrich Lossow zeichnete sehr korrekt, aber seine Farbe war nicht ohne Härten. So wendete er sich mit Recht vorzugsweise dem Zeichnen auf Holz zu und lieferte für die Verlagshandlung Braun & Schneider eine lange Reihe köstlicher Arbeiten, die theils in den Fliegenden Blättern, theils in den Münchener Bilderbogen Platz fanden. Dahin gehören die lustigen Streiche ei­nes von seiner Besitzerin verzogenen Schooßhundes, die Leiden und Freuden eines Sonntagsreiters und die Abenteuer eines Einspänners. Seine heiteren Bilder aus dem »Leben der Hausthiere« erschienen mit Versen von Eduard Ille gesondert. Auch für den Verleger Kröner in Stuttgart zeichnete Friedrich Lossow vieles, so »Ami in der Fremde«, »die Geschichte des kleinen Reh«, ein »Fabelbuch«, »das leichtsinnige Miezel«, »die Kynopädie oder der wohlerzogene Hund«, sämmtlich Il­lustrationen zu gegebenen Stoffen. Zu seinen letzten Arbeiten gehören die beiden Blätter aus dem letzten Kriege in den Münchener Bilderbogen von herzergreifen­der elegischer Stimmung. Seinem Tode ging eine lange schmerzliche Krankheit vor­aus.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 11. 8. März 1872.


09-05-51/52* (Lossow)