Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (21.5.1869) / t_1726

R. Kilian Metzinger, Landschaftsmaler. Am 17. März l. J. ging in München der Land­schaftsmaler Kilian Metzinger nach fünfzehnmonatlichem Herzleiden mit Tod ab. Er war am 19. Juni 1806 in Aschaffenburg geboren, wo sein Vater als Schreinermeister lebte. Nachdem er auf dem Gymnasium und dem Lyceum seiner Vaterstadt sich eine allgemein wissenschaftliche Bildung angeeignet, wendete er sich, einer inzwi­schen erwachten Neigung folgend, der Kunst zu und siedelte 1830 in Folge dessen an die Akademie zu München über. Bei dem Umstande, daß sein Vater, dem eine zahlreiche Familie bescheert war, sich außer Stand sah, den Sohn in München zu unterstützen, mußte dieser darauf bedacht sein, wie er neben seinem Studium durch Nebenbeschäftigung sich den nöthigen Lebensunterhalt verschaffe. Trotz­dem gelang es ihm schon in verhältnißmäßig kurzer Zeit, sich unter den Münchener Künstlern einen achtungswerthen Platz zu erringen, so daß das Nagler’sche Künst­lerlexikon bereits im Jahre 1840 Metzinger’s in anerkennender Weise gedenkt. Vier Jahre später erhielt Metzinger auf seine Bewerbung hin die Stelle eines Sekretärs beim Kunstvereine zu München und widmete von nun an den besten Theil seiner Kraft der Verwaltung der Vereinsangelegenheiten, ohne indeß darüber ganz auf die Ausübung seiner Kunst zu verzichten, wie er denn regelmäßig alle Jahre wenigs­tens einmal mit einer künstlerischen Leistung vor das Publikum trat. Die Art und Weise, in welcher Metzinger unter oft höchst schwierigen Verhältnissen seine Amtspflichten erfüllte, erwarb ihm die vollste Hochachtung aller seiner Vorgesetz­ten und sicherte ihm ein ehrenvolles Andenken in den Jahrbüchern des Kunstver­eins. Namentlich in Folge der Vorbereitungen und während der Durchführung des Baues eines eigenen Vereinsgebäudes löste Metzinger seine verantwortungsvolle Aufgabe in glänzender Weise. Zu Anfang des vorigen Jahres machten sich die ers­ten Anfänge eines Herzleidens bei Metzinger geltend, welches bald größere Di­mensionen annahm und von dem er sich nie mehr erholen sollte. Gleichwohl ließ er sich dadurch nicht hindern, seinen Berufspflichten mit Eifer und Aufopferung aller Kräfte nachzukommen, bis er am 17. März l. J. ruhig entschlief.

Metzinger malte theils Landschaften, theils Seestücke. Er wußte immer interessan­te Standpunkte zu finden, und sein Kolorit war klar und harmonisch; besonders wirksam aber verstand er die Effekte der Sonnenbeleuchtung wiederzugeben. In der Ausführung war er gewissenhaft, ohne in Aengstlichkeit zu verfallen, und in der Perspektive fest und sicher.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 15. 21. Mai 1869.


19-06-09* (Metzinger)