Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (17.2.1884) / t_588

Nekrologe.

Reinhold Braun †. Die Kolonie schwäbischer Künstler in München hat durch das am 22. Januar erfolgte Ableben des Genremalers Reinhold Braun einen empfindlichen Verlust erlitten.

Reinhold Braun war am 25. April 1821 als der Sohn eines Beamten in Altensteig im württembergischen Schwarzwalde geboren und siedelte, zehn Jahre alt, mit seinem Vater infolge dessen dienstlicher Versetzung nach Schwäbisch-Hall über. Vom Vater für die Beamtenlaufbahn bestimmt, begann er die üblichen Studien, erwirkte es aber bald danach, daß er seiner Neigung gemäß sich der Kunst widmen durfte, und besuchte nun gleichzeitig die Kunst- und die polytechnische Schule in Stuttgart von l836 an, wobei er das Fach der Schlachtenmalerei in Aussicht nahm.

Im Jahre 1844 zog Reinhold Braun nach München, schloß daselbst mit dem Tierma­ler Friedrich Voltz enge Freundschaft und folgte eine Zeitlang der Kunstrichtung des Freundes. Da erweckte der heldenmütige Kampf der Schleswig-Holsteiner in Braun die alte Lust an der Schlachtenmalerei, doch war es ihm nicht gegönnt, dem heißen Verlangen, das ihn nach dem Norden zog, zu folgen. Dagegen fand er ein Jahr später Gelegenheit, im Hauptquartier des Prinzen Wilhelm von Preußen, nun­mehrigen deutschen Kaisers, den Feldzug gegen die Aufständischen in Baden mit­zumachen und dabei schätzbares Material zu sammeln, das er in einem Bilde »Das Gefecht bei Waghäusel« für den Prinzen Friedrich Karl von Preußen und in mehre­ren »Scenen aus dem Lager der württembergischen Truppen bei Gernsbach« ver­wertete.

Nach der Rückkehr des Friedens wendete sich Reinhold Braun wieder der Idylle zu, wurde aber zwischendurch vom Könige von Württemberg und dem Großherzoge von Sachsen-Weimar wiederholt mit Aufträgen auf Schlachtenbilder betraut.

Als seine bedeutendste Arbeit erweist sich indes ein im Besitze der Königin von Württemberg befindlicher Cyklus von dreißig Aquarellen, in welchem er eine Schil­derung des württembergischen Volkslebens giebt.

Obwohl er seit Jahren an hochgradiger Kurzsichtigkeit litt, widmete Reinhold Braun doch sein ganzes Leben der Kunst. Professor Ludwig Braun ist der jüngere Bruder des Verstorbenen, dem er zum Teil seine Ausbildung für den Künstlerberuf zu dan­ken hat.

Carl Albert Regnet.

Carl Albert Regnet: Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 17. Leipzig, 7. Februar 1884.


42-12-27 (Braun)