Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (16.12.1870) / t_39

Nekrologe.

Max Emanuel Ainmiller †.

Wieder ist einer der Münchener Kunstveteranen heimgegangen, der oft genannte Inspektor der k. Glasmalereianstalt Max Emanuel Ainmiller, der am 8. December in München verschied. Ainmiller war im Jahr 1807 geboren und widmete sich zuerst der Baukunst, zu welchem Behufe er an der Münchener Akademie studirte, wo­selbst er sich vorzugsweise im Ornamentenfache ausbildete. Nach vollendeten Stu­dien erhielt er die Stelle eines Ornamentenzeichners in der k. Porzellanmanufaktur in Nymphenburg, welche er aber schließlich verließ, um sich der durch Frank wie­der erweckten Glasmalerei zu widmen, zu welcher er sich schon seit längerer Zeit hingezogen gefühlt. Es war vorwiegend die technische Seite dieser Kunst, welcher er seine volle Thätigkeit widmete, und man darf wohl behaupten, daß dieselbe die hohe Stellung, welche sie dermalen unter den Schwesterkünstcn einnimmt, zum wesentlichen Theile den rastlosen Bemühungen Ainmiller’s verdankt. In früheren Jahren zeichnete er auch den größten Theil der Ornamente zu den großen Fens­tern, welche aus der berühmten Münchener Anstalt hervorgingen. Ainmiller theilte mit Recht den europäischen Ruhm, dessen sich dieselbe erfreute und noch erfreut. Unter seiner Leitung entstanden die ausgezeichneten Glasmalereien für die Dome in Regensburg, Köln und Speyer, für die Kirche der Münchener Vorstadt Au, für die Universitätskirche in Cambridge und in neuerer Zeit für S. Paul in London, die Ka­thedrale in Glasgow und das Parlamenthaus in Edinburg. Sein früheres Studium der Baukunst führte ihn später zur Architekturmalerei, in welcher er namentlich in Be­zug auf Schönheit und Korrektheit der Zeichnung Bedeutendes leistete. Seine ein­schlägigen Bilder stellen vorwiegend Bauwerke gothischen Styles dar. Ainmiller ist auch in der Neuen Pinakothek zu München vertreten und erfreute sich der beson­deren Gunst König Ludwig’s ll. Die Münchener Akademie ehrte ihren vormaligen Schüler durch seine Aufnahme in ihren Verband, und seine Brust schmückten meh­rere Orden.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 5. Leipzig, 16. Dezember 1870.


NA-158 (Ainmiller & Flotow & Hertter & Neal & Schmidhuber)