Bayerisches Volksblatt (23.12.1858) / t_1787

† Dr. Josef v. Aschenbrenner.

(Nekrolog.)

Der am 19. Dezember dieses Jahres dahingeschiedene kgl. Staatsminister der Fi­nanzen, Dr. Josef v. Aschenbrenner, Großkreuz der königl. bayer. Verdienstorden der bayer. Krone und vom hl. Michael, des k. k. österreich. Ordens der eisernen Krone und des kaiserl. russ. St. Annen-Ordens, hat im ganzen Bayernlande einen so hohen Grad von Achtung unter allen Ständen genossen, daß wir daraus die Veran­lassung entnehmen, über das Leben und die Wirksamkeit dieses allverehrten Staatsmannes Folgendes unseren geneigten Lesern mittheilen zu sollen:

Dr. Josef v. Aschenbrenner ist der Sohn des k. Landrichters Peter Aschenbrenner zu Abensberg und wurde geboren am 29 Juni 1798 zu Neumarkt a. R. Seine Studien begann er in München; nachdem er das Gymnasium mit Lob absolvirt hatte, bezog er die Universitäten Würzburg und Landshut, an welch letzterer er im Jahre 1819 absolvirte. Nachdem er an den k. Landgerichten Waldmünchen und Abensberg praktizirt und inzwischen als Dr. jur. utriusque promovirt hatte, unterzog er sich Jahre 1821 dem Staats-Concurse und trat hierauf bei der dermaligen Regierung des Regenkreises, Kammer der Finanzen, als Raths-Accessist ein. Im Jahre 1827, zuerst als funktionirender Fiskalbeamter bei der damaligen k. Regierung des Rezat­kreises verwendet, wurde er bald darauf zum Regierungs-Assessor und Fiscal-Ad­junkten an die Regierung des Obermainkreises und bereits 1829 zum geheimen Se­kretär im k. Staatsministerium der Finanzen befördert. Nachdem er in dieser Stel­lung während einer sechsjährigen Geschäftsthätigkeit seine ausgezeichnete Befähi­gung zum höhern Staatsdienst, sowie seinen unermüdlichen Eifer im hohen Grade bewährt hatte, wurde er zum Rathe bei der kgl. Regierung der Oberpfalz und v. Re­gensburg ernannt. Auch in dieser Stellung wurden seine seltenen dienstlichen Ei­genschaften von seinen Vorgesetzten durch zahlreiche Belobungen und Vertrauens-Beweise anerkannt und i. J. 1841 durch die Gnade Sr. Majestät des Königs durch Verleihung des Verdienstordens vom hl. Michael belohnt. In demselben Jahre wur­de er zum Oberrechnungsrath in München ernannt, welche Stelle er 7 Jahre lang bis zum Jahre 1848 bekleidete. Sein unermüdlicher Fleiß und Geschäftstüchtigkeit, sowie seine bewährte Befähigung batten fortwährend die Aufmerksamkeit seiner Dienstes-Chefs auf sich gezogen, und so wurde er am 3l. März 1848 zum Ministeri­alrathe im k. Staatsministerium der Finanzen befördert. Als im Jahre 1849 das Por­tefeuille des k. Finanzministeriums erledigt war, fiel die Wahl Sr. Majestät des Königs auf den Verblichenen. Diese Stellung bekleidete er beinahe 10 Jahre und wurde während dieser seiner Wirksamkeit sowohl durch Verleihung der höchsten Verdienstorden des Königreichs [wie bereits eben angegeben] sowie auch hoher ausländischer Orden ausgezeichnet.

Der Verewigte war seit dem Jahre 1828 mit Anna Aschenbrier, der Tochter des da­maligen k. Regierungsrathes und nunmehr quiescirten k. Regierungsdirektors und geheimen Rathes v. Aschenbrier, verehelicht. Aus dieser Ehe entsprossen 7 Kinder, von denen 4, nämlich ein Sohn und drei Töchter den Vater überleben. Die beiden älteren Töchter sind an zwei Brüder, den k. Ministerialsekretär Josef Giehrl und den k. Landgerichts-Assessor Rudolf Giehrl, in München verehelicht. Aus der Ehe der ältesten Tochter sah der Verewigte ihm drei Enkel erblühen. Außer diesen Hin­terbliebenen beweint noch seine 80jährige Mutter, die kgl. Landrichters-Wittwe Anna Aschenbrenner seinen Tod. V. M.

Bayerisches Volksblatt Nro. 300. Regensburg; Donnerstag, den 23. Dezember 1858.


04-01-45 (Aschenbrenner & Giehrl)