Bayerische Landbötin (6.5.1860) / t_462

Der hier als »Astrolog« und »Prophet« bekannte Privatier C. Vogt hat sich gestern durch einen Pistolenschuß entleibt. Vermuthungen verschiedenster Art lassen Gründe zu diesem Schritte finden, doch dürfte wohl ein psychisches Leiden die wahre Veranlassung hiezu gegeben haben.

Der Verlebte hatte vor mehreren Jahren 2 mal das Glück, Quinternen in unserer Zahlen-Lotterie zu machen, was, wie er angab, eine natürliche Folge seiner astroli­gischen Studien war.

Vogt war auch Eigenthümer des Grundstückes am Anfang der Maximiliansstraße (zwischen der Wurzer- und Canalstraße), für das ihm bereits eine enorm hohe Sum­me geboten war, um die Straße vollenden zu können, doch hatte er »in den ster­nen gelesen,« daß er Millionen hiefür noch zu ernten habe und weigerte sich hart­näckig, diesen Platz käuflich zu überlassen.

Merkwürdig übrigens ist, daß viele seiner Vorhersagungen eingetroffen sind, wes­halb er auch von sehr vielen Personen (besonders der höhern Stände) häufig con­sultirt ward. Wie man sagt, sollen große pecuniäre Verluste, die er beim Fall eines hiesigen adelichen Hauses zu erleiden hatte, dazu beigetragen haben, seine Leiden auf den höchsten Punkt zu treiben.

Bayerische Landbötin No. 127. München, Sonntag, 6. Mai. 1860.


17-HZ-10* (Vogt)