Baierisches Künstler-Lexikon (1810) / t_1608

Schnitzler (Joh. Michael), geb. zu Neuburg an der Kammel, wo sein Vater Joh. Ne­pomuck Maler ist, bei dem er auch die Anfangsgründe im Zeichnen erlernte. Die ausgebrochenen Kriege schmälerten den Verdienst dieses Mannes, und so war er gezwungen, bei der Last vieler Kinder, sich des ältern Sohnes zu entledigen, und denselben in die Fremde zu schicken. Johann Michael Schnitzler verließ also das Vaterhaus ohne nur einen Pinsel führen zu können, und arbeitete bei verschiedenen Malern lediglich um Speise und Trank. Nun gelang es ihm nach Augsburg zu kom­men, wo er die dortige Künstlerakademie frequentirte und Festigkeit in der Zeich­nung erhielt. Er errang an dieser Akademie einmal den ersten, und in der Zeich­nung nach dem Leben den zweiten Preis. Hierauf begab er sich nach Stuttgard, und bekam, seiner sich erworbenen Geschicklichkeit wegen, eine gute Condition; allein der gegen Preussen 1807 ausgebrochene Krieg zwang ihn dort fortzuwan­dern, denn ihm mangelte in der Folge Arbeit und so auch Verdienst. Er kam nun nach Ulm, wo er wieder eine gute Condition erhielt; allein auch diese war von kurz­er Dauer, weil die Kriegszeiten der Kunst nicht vortheilhaft waren. Nach München zu gehen, dort sich um Broderwerb umzusehen, und nebenher in dortigen Galleri­en zu studiren, war nun sein Entschluß. Er that es, und nährte sich mit Ausmalen der Zimmer, fand aber endlich Gelegenheit, bei der Weinmüllerischen Schauspieler-Gesellschaft zu München als Theatermaler unterzukommen. Seine Theater­de­kora­tio­nen zeugen von dem Talente und Fleiße dieses jungen Mannes, von dem sich die Kunst vieles versprechen dürfte, wenn er in seiner Ausbildung un­terstützt würde.

Felix Josef Lipowsky: Baierisches Künstler-Lexikon. München, 1810.


14-02-55 (Mössmer & Schnitzler)