Augsburger Postzeitung (22.2.1870) / t_1431

Lokales und Provinzielles.

Am 15. ds. starb in München der Bildhauer Sanguinetti. Der Allg. Z. entnehmen wir über denselben folgende biographische Notizen: Geboren 1800 zu Carrara studirte Sanguinetti zuerst in der Heimath unter der Leitung seines Vaters und folgte schon 1818 dem Meister Rauch nach Berlin, wo er bald dessen Lieblingsschüler wurde. In den Dreißigerjahren siedelte er nach München über, wo er Anfangs größtentheils nach Schwanthaler’s Entwürfen arbeitete und sich durch seine geschickte Ausfüh­rung in Stein einen rühmlichen Namen erwarb. In der Folgezeit entstand eine Reihe geschätzter, selbständiger Arbeiten. Der sehr fleißige Mann erfreute sich bald ei­nes behäbigen Wohlstands und gründete einen eigenen Herd in einer mit 3 Kin­dern gesegneten Ehe. Der Abend seines Lebens wurde aber mit herben Schicksals­chlägen heimgesucht. Sanguinetti verlor ein kleines Landgut (bei Starnberg), wel­ches der Künstler nicht zu bewirthschaften verstand; dann fiel seine schön aufge­blühte Tochter, erst 19 Jahre alt, unter der Mörderhand eines eifersüchtigen Stu­denten (sie wurde von K Ferner am 7. Oktober 1838 erschossen); seine schöne Bil­dersammlung verschwand unbezahlt mit einem gewissenlosen Kunsthändler; zu­letzt verlor er im Jahre 1866 sein mühsam erspartes Vermögen und wurde sogar zum Verkauf seines kleinen Hauses gezwungen. Sein letztes Werk, welches der seit 5 Jahren von der schmerzhaftesten Gicht geplagte, ehedem so bildschöne und baumstarke Mann nicht mehr vollenden konnte, war eine für das Nationalmuseum bestimmte Statue König Maximilian’s II.

Augsburger Postzeitung Nr. 44. Dienstag, den 22. Februar 1870.


14-05-57* (Sanguinetti)