Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_962

Kirchmayer, Joseph, geb. 1772 zu Rockersin, einem Dorfe im Unterdonaukreise, wurde von seinem Vater, welcher verschiedene Bildnisse und Verzierungen für Altä­re und Kanzeln in Holz geschnitten hatte, zur Fertigung ähnlicher Arbeiten angelei­tet. In seinem 17ten Jahre wurde er nach Passau zu einem Bildhauer gesendet, bei welchem er längere Zeit arbeitete. Nach Ableben dieses Mannes kam er zu dem berühmten Maler Bergler, welcher ihm im Zeichnen und Modelliren Unterricht gab. Bei diesem Künstler wurden auch in ihm höhere Kunstkenntnisse erweckt, und er fand durch denselben Gelegenheit, mit dem damaligen Fürsten Leopold von Thun bekannt zu werden, welcher bald darauf eine Reise nach Wien machte, ihn dahin mitnahm, und dort unterstützte.

Nach einem siebenjährigen Aufenthalte in Wien, während welchem er mehrere Büs­ten in Marmor und Erz ausgeführt hatte, wurde er dem damaligen bayerischen Ge­sandten, Hrn. Freiherrn v. Grafenreuth und dem Hrn. v. Mieg bekannt. Diese bei­den Herrn veranlaßten durch einen Bericht an den höchstseligen König Max, daß Kirchmayer im Jahre 1804 nach Rom geschickt wurde; er besuchte in der Folge Neapel und andere Städte Italiens, und kehrte nach zwei und einem halben Jahre nach München zurück. Nun führte er mehrere Büsten in cararischem Marmor für die Walhalla aus; ferner fertigte er Monumente für den Herrn Maximilian Grafen v. Arco, für den höchstseligen Churfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier, für die Frau Sabadini und für den Grafen Fugger im Illerthale. Ferner gingen aus Kirchmayers Atelier hervor: eine kolossale Büste des höchstseligen Königs Maximilian für die Stadt Amberg, eine Minerva in Lebensgröße für den Kommerzienrath von Seidl in Sulzbach, und mehrere Büsten in Gyps.

Die Büste des Herzogs von Leuchtenberg lieferte er dreimal in cararischem Mar­mor; und für die Stadt Freising fertigte er ein Medaillon aus Erz, den König Max und die Königin Karoline darstellend.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


MR-290 (Kirchmayer & Seibold)