Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_946

Kaulbach, Wilhelm, ward im Jahre 1805 zu Arolsen, im Fürstenthume Waldeck, ge­boren. Sein Vater, ein Goldschmid, ertheilte ihm den ersten Unterricht im Zeichnen. Er genoß denselben bis zu seinem 16ten Jahre, in welchem er die Düsseldorfer Akademie besuchte.

Direktor v. Cornelius und Professor Mosler ließen sich vorzüglich seine Ausbildung angelegen seyn. Im Jahre 1826 berief ihn Cornelius nach München, um im Odeon eines der Deckengemälde: »Apollo unter den Musen« auszuführen. Nachher malte er in den Arkaden des Hofgartens die vier Flußgötter, und zeichnete die Cartons zu der Bavaria und einigen andern allegorischen Figuren; ferner malte er in dem Palais Sr. Hoheit des Herzog Max einen Tanzsaal mit 16 Darstellungen aus der Mythe des Amor und der Psyche.

Hierauf ward ihm der ehrenvolle Auftrag, in dem Thronsaale Ihrer Majestät der Kö­nigin 12 Bilder aus Klopstoks Herrmanns-Schlacht und Herrmanns-Tod, und 4 aus dessen Oden auszuführen. Für den anstoßenden Salon zeichnete er 18 größere und kleinere Compositionen aus Wielands Werken. In dem Schlafsale Ihrer Majestät der Königin malte er 42 Gemälde aus Göthes sämmtlichen Dichtungen.

Außer diesen Arbeiten und andern Zeichnungen verfertigte er im Auftrage des Hrn. Geheimenraths v. Klenze einen Carton zu einem Oelgemälde, welcher eine Geisterschlacht zwischen den Römern und Hunnen zum Gegenstand hat.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


ML-280/281 (Kaulbach)