Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_816

Gärtner, Friedrich, Professor der Baukunst an der königl. Akademie der bildenden Künste, geb. 1792 zu Koblenz, Sohn eines kurf. trier’schen Hofbau-Intendanten. Durch die französische Revolution wurde der damalige kurtrierische Baudirektor J. A. Gärtner veranlaßt, Koblenz zu verlassen, und Dienste in derselben Eigenschaft bei dem Fürstbischof zu Würzburg zu nehmen. Als Würzburg an Bayern fiel, wurde J. A. Gärtner als Hofbau-Intendant nach München berufen, so kam auch F. Gärtner dahin. Seinem früheren Hang zu Folge widmete sich derselbe, nach vorher erhalte­ner wissenschaftlicher Bildung, ausschließlich der Kunst, und besuchte die Akade­mie der bildenden Künste von 1809 bis 12, wo er sich nach Paris begab, um an der dortigen Akademie und unter Percies seine Kenntnisse zu erweitern; 1814 ging er durch Deutschland nach Italien, bereiste Neapel, Sizilien, und kehrte nach 4jähri­gem Aufenthalte nach München zurück, 1819 ging er über Holland nach England, wo er so erfreuliche Aufnahme fand, daß er dort zu bleiben beschloß; 1820 aber erhielt er den Ruf als Professor der Baukunst nach München, 1822 übertrug man ihm die oberste Leitung über die artistischen Theile an der Porzellan-Manufaktur, und über die eben erwachend« Glasmalerei; 1829 erhielt er den Auftrag von sei­nem Könige, einen Entwurf zu einer katholischen Pfarrkirche zu München, zu St. Ludwig, zu machen, zu der am 25. August der Grundstein gelegt wurde. Nebenbei erbaut derselbe die neue Staatsbibliothek. Beide Gebäude sind im eigenthümli­chen Style, nach byzantinischen Vorbildern aber ohne alle sklavische Nachahmung; 1833 legte derselbe den Grundstein zu dem k. Blinden-Institute, und leitete die Re­stauration des Isarthores, nach seinen Entwürfen. Nach Gärtners Plan wurden auch der Saal und die Arkaden in Kissingen ausgeführt, so wir ihm auch für die Folge die Ausführung eines Universitäts-, Central-Shulbücherverlags-, Erziehungs-Instituts-Gebäude etc. übertragen wurde.

§§. Ansichten der am meisten erhaltenen griechischen Monumente Siziliens mit er­läuterndem Text. München, 1819 Zeller. Römische Bauverzierungen nach der Anti­ke und aus Stein. München, 1824. Auswahl von Vasen und Gefäßen auf Stein gra­virt. Herrmann und Barth 1825. Mehrere lithographirte architektonische Zeichnun­gen, periodisch. 1818 – 19 belehrende Aufsätze für die Eos.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


NA-175 (Gärtner)