Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_716

Dorner, Johann Jakob, Sohn des Hofkammerraths Dorner, wurde 1775 zu München geboren. Schon als Kind von 6 Jahren zeigte sich das Talent dieses Mannes zur Kunst; indem er in diesem zarten Alter aus eigenem innern Triebe aus Wachs und aus Thon Figuren, Kruzifixe u. dgl. modelte. Sein Vater, aufmerksam auf des Kindes sich entwickelndes Genie, gab ihm daher Unterricht in der Zeichenkunst, ließ ihn aber 5 Schulen studiren, in welchen er einen guten Fortgang machte.

Im Jahre 1794 ging er ganz zur Kunst über, folgte seiner Neigung, und wählte das Landschaftsfach. Er studirte nach den Gemälden des Claudius Gelée (auch Lorrens und Lorain genannt) und dann nach der Natur, wo er die schönen Gegenden Bay­erns benützte, und sie Theils abzeichnete, theils auch mit Oel- und mit Wasserfar­ben malte. Nebstdem widmete er sich, unter Anleitung seines Vaters, der Repar­irung beschädigter Malereien in Oel und Pastel.

Sein sich allmählig entwickelndes und zu einem großen Künstler heranbildendes Ta­lent blieb Seiner Majestät dem Könige Max Joseph nicht unbekannt, und dieser er­habenste Beschützer und Gönner der Künste und Wissenschaften, ließ ihn 1802 nach Frankreich auf seine Kosten reisen. Dorner nahm dahin durch die Schweiz sei­nen Weg, zeichnete die schönsten Gegenden der Schweiz und Frankreichs, und verweilte längere Zeit in Paris, wo er im dortigen Museum nach den Werken der ersten Künstler, vorzüglich aber nach Claudius, Gelée und K. Dujardin studirte, und kehrte dann 1803 in sein Vaterland Bayern zurück, wo er Anfangs als Reparateur der Gemälde bei der königl. Gallerie angestellt, im Jahre 1808 aber zum Gallerie-Inspektor befördert wurde.

Die ehemalige bayerische Landschaft gab nun diesem jungen, sich so vorzüglich ausbildenden, Künstler den Auftrag, ihr die Residenzstadt München und die Stadt Landshut zu malen, die er auch zur vollen Zufriedenheit aller Kenner verfertigte. Diese Gemälde hängen gegenwärtig im Plenum des königlichen Generalkommissa­riats vom Isarkreise in München. Für Se. Majestät den König Max Joseph malte er aber mit kunstreichem Pinsel die Gegend von Paris auf Leinwand, 5 Schuh lang und 4 Schuh 5 Zoll hoch. In der königl. Gemäldegallerie befindet sich von ihm eine fer­ne Aussicht auf das Rheinthal bey Freyburg in Breisgau, mit vielen Figuren im Vor­grunde, auf Holz. Mehrere Privaten in München besitzen sehr schöne Landschaften von seinem Pinsel.

Den 20. July 1815 wurde Dorner ordentliches Mitglied der churfürstlich hessischen Akademie in Hanau. 1818 reiste er nach Wien, um die verschiedenen Gallerien zu besuchen, und sich noch mehr Kenntnisse der verschiedenen Meister zu verschaf­fen. Hier bemerkte er zuerst, daß ihm etwas im rechten Auge fehle, wo sich in der Folge der graue Staar zeigte. Im Jahre 1820 den 22. März erhielt er das Diplom als Ehrenmitglied der k. k. österreich. Akademie der Künste in Wien. Im nämlichen Jah­re den 16. Dezember wurde er ordentliches Mitglied der königl. Akademie in Ber­lin.

In selbem Jahre, 1820 den 5. September, wurde er durch den verdienstvollen Herrn Doktor Reiner im rechten Auge vom grauen Staar sehr glücklich befreit, so daß er nach einem Zeitraume von 4 Jahren, wo er nichts arbeiten durfte, bis jetzt den kleinsten Gegenstand sehen und malen kann, ungeachtet er nun den grauen Staar auf dem linken Auge hat, und folglich nur mit dem rechten, operirten, arbeiten kann.

1821 verfertigte Dorner das erste Gemälde wieder, welches Se. Majestät der ver­storbene König Max ankaufte, und in die königl. Bilder-Gallerie stellen ließ. 1824 wurde er von der königl. Akademie der bildenden Künste zum Ehrenmitgliede er­nannt.

Sein größtes Gemälde, das er aus Auftrag Sr. Maj. des Königs Maximilian verfertig­te – welches man aber nun beinahe nicht mehr erkennt, indem selbes der Hr. Direk­tor v. Mannlich ganz übermalte – befindet sich in der königl. Gallerie zu Schleiß­heim. Es stellt den Walchensee vor, und hat 14 Fuß in der Länge und 8 Fuß in der Höhe. Mehrere Gemälde befinden sich im königl. Schloss zu Tegernsee. Herr Kunsthändler Artaria besitzt eine Landschaft von seiner Hand, welche unter seine bessern Arbeiten der zweiten Epoche gehört; Hr. Graf v. Schönborn besitzt zwei Wasserfälle von seinem Pinsel, Hofbanquier Trautmann, Graf Louis v. Arco, Graf v. Schönborn in Pommersfelden, Graf von Pappenheim etc. besitzen Gemälde von ihm. Sehr viele sind im Auslande, z. B. in London bey Lord Brikstock, Lord Rose; in Berlin im Kabinet bei Sr. Majestät dem König, bei Hrn. v. Spicker, königl. Hofbiblio­thekar etc; in Petersburg, in Wien, in der Sammlung des Hrn. Grafen Rosamofsky u. s. w.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


21-13-31 (Dorner & Drechsel-Deuffstetten)