Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_610

Bürkel, Heinrich, geb. am 9. Sept. 1802, Sohn eines Wirths und Oekonomen aus Pirmasens, im bayerischen Rheinkreise. Seine Eltern bestimmten ihn anfänglich zum Kaufmannsstande, wogegen er aber eine solche Abneigung hatte, daß er es vor­zog, 5 Jahre lang als Schreiber auf einem Friedensgerichts-Bureau zuzubringen, wodurch er sich die Mittel verschaffte, seinen Drang zu befriedigen, nämlich größe­re Städte zu besuchen und Oelgemälde zu sehen. So reiste er zuerst nach dem zu­nächst gelegenen Straßburg, wo, er die ersten Oelgemälde sah, und von jetzt an bot er Alles auf, seine nicht unbemittelten Eltern zu bewegen, ihn in seinem gefaß­ten Entschluß, sich als Künstler auszubilden, zu unterstützen. Er zeichnete indessen schon früh nach der Natur und nach schlechten Kupferstichen, die er sich in seiner Vaterstadt zu verschaffen wußte; sein väterliches Haus, welches ein Wirthshaus war, bot ihm oft manchen Stoff dar, indem er, zur Belustigung seiner Freunde, allerhand lustige Scenen, Schlägereien u. dgl. zu Papier brachte. Auf das Anrathen des eben durchreisenden Regierungspräsidenten von Stichaner bewilligten ihm endlich seine Eltern eine Unterstützung von einem Jahre, in welcher Zeit er seine Existenz fin­den, oder wieder zurück auf seinen verlassenen Posten gehen müsse. So kam er erst in seinem 22sten Jahre auf die Akademie zu München, und hielt es in solchen Verhältnissen für nicht rathsam, den langsamen Gang auf der Akademie zu verfol­gen, machte sich aber mit den dortigen Meistern, als Georg v. Dillis, Peter Heß, Quaglio, Dorner und Wagenbauer, bekannt, studirte fleißig nach Niederländern, als Wouvermann, Wynants, Brauer, v. d. Velde u. dgl., wozu ihm die Gallerie zu Mün­chen und Schleißheim reichlichen Stoff boten; machte jährlich Reisen nach Tyrol und dem bayerischen Hochlande, und zeichnete Alles, was sich darbot, um sich im Genrefach auszubilden, reiste aus eigenen Mitteln im Jahr 1831 und 1832 nach Ita­lien, verweilte 2 Jahre in Rom, und bereicherte sich hier mit einer Menge Studien, ging sodann wieder zurück nach München, und malt hier Scenen aus Tyrol, Bayern und Rom. Seine Gemälde sind beinahe alle in Norddeutschland zerstreut.

Im Jahr 1834 malte er eine römische Osteria für Se. Majestät den König von Bay­ern.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


38-01-10 (Bomhard & Bürkel)