Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1750

Eberhard, Konrad, geb. den 24. Nov. 1768 zu Hindelang, im Algau, königl. Landge­richts Sonthofen. Sein Vater und Großvater waren Bildhauer, und arbeiteten sowohl in Holz als Stein, größtentheils für Kirchen. Der höchstselige Clemens Wenceslaus, Churfürst von Trier etc. und Fürstbischof von Augsburg, kam öfters nach Hinde­lang, bei welcher Gelegenheit E. demselben bekannt, und von ihm in den Stand ge­setzt wurde, die Akademie der bildenden Künste in München zu besuchen, wo E. sofort (i. J. 1798) Lei seinem Landsmanne, Roman Anton Boos, Hofbildhauer und Professor der Akademie, mehrere Jahre arbeitete. Als das Bisthum Augsburg an Bayern fiel, wurde E. mit übernommen. Se. Majestät der jetzt regierend« König (noch damals Kronprinz) ließen ihn nach Rom reisen, und beehrten ihn dort mit ver­schiedenen Aufträgen und Bestellungen. Seine ersten Arbeiten in Rom waren: eine Muse mit dem Amor von cararischem Marmor, jetzt in der Glyptothek aufgestellt; mehrere Büsten für die Walhalla; für Se. Maj. den höchstseligen König ein Faun mit dem jungen Bachus und Amor; Leda mit dem Schwane; Endymion und Diana, vom Amor geführt, über Lebensgröße. Diese vier Statuen in cararischem Marmor ausge­führt, stehen im Kabinetsgarten zu Nymphenburg.

Im Jahre 1816 wurde er als Professor der Bildhauerkunst an der Akademie der bil­denden Künste angestellt, und verfertigte ferner noch: ein Basrelif in cararischem Marmor zu dem Monumente der Prinzessin Karolina, in der Theatiner Kirche; meh­rere Basreliefs, zu welchen die Sujets aus dem alten und neuen Testamente ent­nommen wurden; mehrere Christus- und Madonnen-Büsten etc.; außen an der Al­lerheiligen-Kirche, ober dem Thore, Christus, Maria, Johann der Täufer, die zwei Statuen St. Peter und Paul. Auch begann er mehrere Bilder in Oel, lauter Sujets aus der christlichen Religionsgeschichte, zu malen, von welchen ein Hausaltärchen mit zwey Flügelthürn beinahe vollendet ist.

Jetzt arbeitet E. an zwey kolossalen Statuen in Sandstein, dem Erzengel Michael und Ritter Georg (Gerechtigkeit und Tapferkeit repräsentirend) für das restaurirte Isarthor. Ferner trug Se. Majestät der König Eberharden die Anfertigung zweier Monumente für die seligen Herrn Bischöfe Sailer und Widtmann auf, welche im Dome zu Regensburg aufgestellt werden sollen.

Ein älterer Bruder, Franz Eberhard, wohnt mit dem Prof. Eberhard zusammen, und leistet diesem bei Anfertigung kleiner Arbeiten aus Alabaster hülfreiche Hand.

(In neuester Zeit wurde Professor Eberhard wegen vorgeschrittenen hohem Le­bensalter in den Ruhestand versetzt, wodurch aber dessen verdienstvolle Künstler-Thätigkeit keineswegs unterbrochen werden wird. Die Red.)

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


11-01-32 (Eberhard)