Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1422

Zimmermann, Clemens, Historienmaler zu München, geboren zu Düsseldorf 1788, bildete sich von seinem zehnten Jahre an für die Kunst in der damals noch beste­henden Akademie dortselbst, unter der Leitung des Direktors Peter v. Langer. Als die dortige Gallerie 1806 nach München verpflanzt worden war, folgte er dersel­ben, und kam im Jahre 1808, dem Gründungsjahre der neuen Akademie, nach München. Bei der ersten Ausstellung 1812 trat er mit einem mythologischen Ge­mälde (Merkur und Argus darstellend) auf, welchem folgte: »Noah’s Opfer,« »The­seus und seine Mutter« und mehrere Bildnisse.

Im Jahre 1815 wurde er als Professor der Historienmalerei bei der Kunstschule in Augsburg angestellt. Darauf machte er 1816 zu seiner weitern Ausbildung mit kö­niglicher Unterstützung eine Reise nach Italien, und kehrte 1817 nach Augsburg zu­rück.

Hier fertigte er mehrere größere Werke:
Eine Madonna mit dem Christuskinde und dem kleinen Johannes in einem land­schaftlichen Hintergrunde.
Einen Johannes in der Wüste.
Für den Magistrat der Stadt Augsburg ein Bildniß des höchstseligen Königs Maxi­milian, im königlichen Ornate lebensgroß und ganzer Figur, zu welchem ihm der Monarch im Jahre 1818 zu Nymphenburg gesessen.

Nebst diesen Arbeiten, fertigte Z. noch mehrere kleinere historische Darstellungen, und eine große Anzahl von Bildnissen, so zwar, daß fast in allen angesehenen Häu­sern zu Augsburg solche von seiner Hand zu sehen sind.

Als im Jahre 1820 die Freskomalereien in der Glyptothek zu München begannen, fand zwischen ihm und Cornelius eine Uebereinkunft statt, welche Z. bestimmte, demselben bei der Ausführung al Fresco hülfreiche Hand zu leisten. Zu dem Ende erhielt derselbe alljährlich für die Dauer des Sommers einen Urlaub nach München, bis er endlich im Jahre 1825 als Professor an die Akademie nach München berufen ward.

Nun wurde ihm 1827 der allerhöchste königl. Auftrag zu Theil, die Loggia der neu­en Pinakothek mit Freskomalereien zu schmücken. Diese ausgedehnte Arbeit (das Leben der Maler darstellend) zu welcher Cornelius die Entwürfe (Skizzen) gefertigt, ward im Jahre 1828, d. h. die Cartons dazu, von Z. begonnen, und selbe wird bis zum Jahre 1840 gänzlich vollendet seyn.

Bereits sehen wir schon Mehreres von Z. selbst und theils von seinen Gehülfen in Fresko ausgeführt.

Zwischen dieser Arbeit vollbrachte Z. ferner noch:
Die Ausschmückung der Decke des Tanzsaales im Pallast des Hrn. Herzogs Max;
so wie ein Altarbild – die Krönung der Maria darstellend – in dessen Kapelle.

Hieran reiht sich nun noch die in jüngster Zeit ihm von Sr. Maj. dem Könige übertra­gene Arbeit für den Speisesaal des neuen Königsbaues. Derselbe wird 34 Darstel­lungen aus den Liedern des Anakreons enthalten, die Z. sämmtlich selbst entwor­fen und die Cartons dazu gezeichnet hat. Ausgeführt werden und sind sie theils in Fresko und theils enkaustisch, durch ihn oder unter seiner Leitung.

Es versteht sich von selbst, daß hier, um den Aufsatz nicht zu sehr auszudehnen, eine Menge kleinerer Arbeiten dieses Künstlers nicht gedacht ist, die er zum Theil in Oel ausführte, oder die auch nur als Zeichnungen und Lithographien von ihm be­stehen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


06-07-34 (Rottmann & Sckell & Zimmermann)