Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1389

Waagen, Karl, geb. zu Hamburg im Jahre 1800. Zur Kunst bestimmt, besuchte er die Akademieen von Dresden und Prag und ging dann nach München, um dort die Technik der Fresko-Malerei zu erlernen, und mehrere kleine historische Oelgemälde für einige Freunde in Schlesien auszuführen. Nachdem er hierauf in Breslau eine ge­raume Zeit als Porträtmaler beschäftigt gewesen war, nahm er Theil an der Restau­ration der für das königliche Museum zu Berlin bestimmten Gemälde, bei welcher Gelegenheit er sich durch fast zweijährige Uebung unter Schlesingers Anleitung die nöthigen Kenntnisse in diesem Fache aneignete. Ein längerer Aufenthalt in Rom wurde theils zu Studien und Skizzen, theils zur Ausführung einer größern Land­schaft, welche später der Kunstverein in Berlin kaufte, angewendet.

Nach Deutschland zurückgekehrt, machte er in München Versuche in der Lithographie, und erhielt im Jahre 1831 einen Ruf als Direktor des k. lithographischen Insti­tuts zu Berlin, den er jedoch abzulehnen sich genöthigt sah, weil seine damalige Braut (Nannette Schechner) durch kontraktmäßige Bestimmungen in München ge­fesselt war. Obgleich er seitdem einige kleine historische Gemälde, so wie mehrere Bildnisse en miniature und in Oel ausführte, beschäftigte er sich doch besonders mit kunstkritischen Studien und Entwürfen, ohne jedoch in den letzten Jahren et­was der Art der Oeffentlichkeit übergeben zu haben.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


33-07-34 (Schechner-Waagen & Waagen)