Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1308

Siber, Johann Baptist, Sohn eines Wundarztes, ist 1802 im Landgericht Landsberg geboren, und sollte nach dem Wunsche seiner Eltern sich dem geistlichen Stande oder den Studien der Chirurgie widmen, jedoch seine Schreibhefte, angefüllt mit Zeichnungen, zeigten für seinen natürlichen Hang zu diesem Fache, und seine Anla­gen wurden durch Hrn. Direktor Eschmann und Hrn. v. Sichlern, dermalen Landrich­ter zu Kaufbeuren, zuerst anerkannt. Von diesen edlen Kunstfreunden unterstützt, sah sich Siber im Jahre 1823 von der königl. Akademie als Schüler aufgenommen.

Aus Mangel an hinlänglichen Subsistenzmitteln verließ S. die Akademie im Jahre 1825, und malte Porträts in Oel und Miniatur, welche insgesammt sein Talent und Glück im Treffen verriethen, und die zufällige Reise nach Mexico eines in der Nähe von Landsberg sich befindenden Gutsbesitzers verschafften ihm die Gelegenheit, in dieser Familie, von welcher ein Tableau nachgesendet wurde, bekannt zu wer­den; worauf er sich mit einer Verwandten dieses Hauses 1827 vermählte, und seine Studien auf der königl. Akademie unter der Leitung des Hrn. Professors Zimmer­mann und Hrn. Direktor v. Cornelius vollendete, sodann eine Reise nach Paris anzu­treten gesonnen war, aber durch inzwischen sich ergebene politische Verhältnisse genöthiget wurde, sich in Wisbaden, Frankfurt a. M. und Ulm zu verweilen, wäh­rend welcher Zeit er unter vielen Porträten auch jene Paganinis, des Frhrn. v. Roth­schild u. a. fertigte.

Als Siber von dieser Reise zurückkehrte, war er gesonnen, in Regensburg eine hö­here Zeichnungs-Schule zu errichten, nachdem aber bereits Andere seinem Vorha­ben zuvorgekommm waren, begab er sich 1832 nach Wien, wo er wieder viele Por­träts interessanter und vornehmer Personen malte. Im Jahre 1834 in den Kreis sei­ner Familie zurückgekehrt, hatte Siber das Glück, Se. Durchlaucht den Hrn. Fürsten von Oettingen-Wallerstein, Minister des Innern, die Frau Fürstin und Tochter en crayon und Miniaturen malen zu dürfen, und erhielt die Erlaubniß, Höchstdessen Porträt durch den Steindruck vervielfältigen zu dürfen, welches Bild mit allgemei­nem Beifall von den unzähligen Verehrern dieses allgeliebten Fürsten und ausge­zeichneten Staatsmannes aufgenommen wurde.

Im Jahre 1835 wurde Siber durch Se. Majestät allerhöchste Genehmigung der poly­technischen Schule zugetheilt, und dadurch seiner Wünsche höchstes Ziel erreicht.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


04-03-11 (Siber)