Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1291

Seinsheim, August Karl Graf v., königl. bayerischer Kämmerer und Maltheser-Or­densritter, ist der jüngste Sohn des Maximilian Grafen von Seinsheim, churpfalz­bayerischen wirklichen geheimen Raths und des Kirchen-Administrationsraths Präsi­denten, und der Marianna Gräfin v. Seinsheim, geb. Freyin von Frankenstein-Ul­stadt. Er wurde in München den 11. Februar 1789 geboren.

In früher Jugend entwickelte sich bei S. schon Neigung und Anlage zur Zeichen­kunst, welche noch mehr erweckt und gebildet wurde durch seinen damaligm Er­zieher, und dessen Jugendfreund, den Herrn Gallerie-Direktor Georg von Dillis.

Während Graf v. Seinsheim auf der Universität Landshut in den Jahren 1809, 18l0 und 1811 sich dem Rechtsstudium widmete, setzte er in den Mußestunden seine Kunstübungen fort, und erlernte unter der Leitung des verdienstvollen Künstlers und Professors Simon Klotz die Oelmalerei. Nachdem er in Landshut seine Studien vollendet, das Absolutorium erhalten, die gesetzlich vorgeschriebene Praxis bei dem königlichen Landgerichte Au bei München angetreten, im Sommer 1612 den allgemeinen Staatskonkurs mitgemacht, und so alle Bedingungen zum Anspruch zu einer Anstellung im Staatsdienst erfüllt hatte, widmete er sich von nun an als Dile­tant, mit mehr Ausschließung dem Studium der Kunst, und besuchte in den Jahren 1813, 1814, 1815 und Anfangs 1816 die königl. Akademie der bildenden Künste, wo er unter der freundschaftlichen Leitung des um die Kunst hochverdienten Hrn. Direktors Peter Paul von Langer, und dessen Sohn Professor Robert von Langer sich in Zeichnung, Composition und Oelmalerei mehr ausbildete.

Im Frühjahre des Jahres 1816 reiste er mit seinem ältern Bruder, Grafen Karl von Seinsheim, nach Italien, wo er sich am längsten in Rom aufhielt, und die dortigen großen Kunstwerke eines Raphaels etc. fleißig studirte, mit den damals versammel­ten ausgezeichnetsten deutschen Künstlern in freundschaftliche Berührung kam, und einen großen Carton zu einem Altarbild, die Mutter Gottes mit dem Jesuskind in einer Glorie von Engeln und den 14 heiligen Nothhelfern umgeben vorstellend, entwarf; welcher sodann in München in den Jahren 1820 bis im Juni 1822 in Oel ausgeführt, in der Dorfkirche von Grünbach, dem Landgute seines Brüders Karl, am 2. August desselben Jahres in einem neuerbauten Altar aufgestellt wurde. Wäh­rend seinem Aufenthalte zu Rom machte er auch einige Versuche in der damals von den deutschen Künstlern erst wieder versuchten Fresco-Malerei, und malte unter andern eine Frau mit einem Kinde an die Wand seines Studienzimmers.

Auf der Rückreise besuchte er Florenz, Bologna, Ferara, Venedig etc., und kehrte zu Ende des Jahres 1817 in seine Vaterstadt zurück.

Bei Gelegenheit der Jubelfeier des Königs Maximilian im Jahre 1824, arbeitete er auch an den allegorischen transparenten Gemälden mit, welche zu dieser Feier von einem Verein mehrerer Künstler unter der Leitung des Hrn. Peter Heß auf dem Ra­thhause gemalt, und in dem Circus vor dem Maxthor aufgestellt wurden. Am 16. Februar 1824 wurde er zum Ehrenmitgliede der königl. Akademie der bildenden Künste ernannt.

In demselben Jahre vollendete er auch ein Altarbild: Christus vorstellend, wie er dem heil. Petrus die Himmelsschlüssel übergibt; welches er der Pfarrkirche des Städtchens Vohburg an der Donau verehrte, und welches am 25. Juni 1824 dort aufgestellt wurde. Uebrigens malte er mehrere kleinere Gemälde und viele Bildnis­se von Freunden und Verwandten, unter denen das des verstorbenen Hrn. Bischofs Joh. Mich. Sailer in Regensburg (welches auch vom Hrn. Hanfstängel lithographirt worden) eines der gelungensten seyn möchte. Dieselben befinden sich meistens zerstreut an verschiedenen Orten, so wie einige kleine Radirungen auf Kupfer, die sich in den Sammlungen mehrerer Kunstliebhaber befinden.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


25-13-25 (Seinsheim)