Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1277

Schwanthaler, Ludwig, geb. zu München 1802, früher zu den Studien bestimmt, bil­dete sich zur Kunst bei seinem Vater und dann auf der königl. Akademie. Seine ers­ten Bestellungen bestanden in Grabmonumenten und Bauarbeiten, dann wurde ihm von Sr. Maj. dem Allerhöchstseligen Könige Max ein Cyclus von Reliefen nach eigener Komposition zu einem Tafel-Service übertragen. Bald hierauf, im Jahre 1826, kam er, von Sr. Maj. dem Könige Ludwig großartig unterstützt, das erstemal nach Italien, und 1832, mit Aufträgen von Allerhöchstdemselben beehrt, noch ein­mal, so, daß er im Ganzen gegen drei Jahre dortselbst verweilte, und jetzt erst seit Kurzem zurückgekehrt ist.

Seine meisten Arbeiten befinden sich in den königl. Bauten dahier ausgeführt, so z. B. im neuen Königsbaue die Reliefs zu Pindar im Thronsaale, so wie ein noch nicht ganz beendigter Fries; ein Cyclus der Mythen der Aphrodite, und die Caryatiden auf der großen Treppe, so wie die im etrurischen Style nach seinen Cartons ausge­führten Säle der Argonautik, dann die Kompositionen zu den Fresken aus Aeschy­lus, Sophokles und Aristophanes, und zu den Reliefs im Treppenhause. Ferner fer­tigte Sch. viele Reliefs und eine Statue von Gyps, so auch eine von Marmor zur Glyptothek; die Skizzen zu den Malerstatuen der Pinakothek und zu den Darstel­lungen aus der bayerischen Geschichte; Shakespears Statue im Theater; ferner die erst begonnenen Bildergruppen für den einen Walhalla-Giebel, zum Theile noch nach der früher entworfenen Idee des Professors Rauch in Berlin, gleichfalls die Statue des Salvators, der Evangelisten und der Apostel Peter und Paul in Stein für die Ludwigskirche; endlich mehrere kolossale Modelle zu den Bronzestatuen der Ahnen des königlichen Hauses für den neuen Festsaal am Hofgarten.

Unter seinen Privatarbeiten sind die bedeutendsten: ein langer Fries von Gyps im neuerbauten Palais Sr. Hoheit des Herrn Herzog Max, und ein gleicher von Marmor für Se. k. H. den Prinzen Karl von Bayern, viele Reiter und Heroen in die neuerbau­te Reitbahn Sr Durchlaucht des Hrn. Fürsten von Thurn und Taxis zu Regensburg; einige Arbeiten für Se. Exzellenz den Herrn Grafen von Schönborn; Reliefs für Hrn. v. Boisseree und Bertram, Büsten, Monumente und Anderes.

Erst jüngsthin wurde Schwanthaler auch zum Professor der Sculptur an der hiesigen königl. Akademie ernannt.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Scha­den. München, 1836.


NA-001 (Schwanthaler)