Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1238

Schlotthauer, Joseph, Professor und Inspektor an der königl. Akademie der bilden­den Künste, geb. zu München am 14. März 1789. Sein Vater war Theaterdiener bei dem vormaligen churfürstlichen Hoftheater in Mannheim, und kam im Jahre 1783, als dieses nach München verpflanzt wurde, in gleicher Eigenschaft mit dahin. Die Dürftigkeit des Einkommens des Vaters gestattete nicht, bei der Bestimmung des zukünftigen Berufes seiner vielen Kinder deren Neigungen und Talente abzuwägen, sondern zwang die zunächst dargebotene Gelegenheit zu irgend einem Erwerbt als erwünscht fest zu halten.

So kam es, daß Sch., der jüngste von sechs Brüdern, trotz seiner großen Neigung zur Kunst, das Schreinerhandwerk erlernen mußte. Lehrling geworden, benützte er die Mußestunden, um, was er für sein Geschäft nothwendig hielt, sich im Lineal- und Freihandzeichnen zu üben; später genoß er den Unterricht an der Feiertags­schule, um seine Kenntnisse durch einige gemeinnützige Studien, als: Chemie, Phy­sik und Mechanik zu erweitern. Doch seine Hauptneigung, der Hang zur Malerei, verließ ihn nicht, folgte ihm, nachdem er als Geselle auf die Wanderung ging, in die Ferne, geleitete ihn in’s Vaterhaus zurück, und lehrte ihn endlich die Möglichkeit auffinden, seinem innerlichen Drange Genüge zu leisten.

Schon hatte er sich durch Selbstübung so weit vorbereitet, daß er in der Akademie aufgenommen werden konnte, als noch im selben Jahre (1809), nachdem er hier kaum ein paar Monate den Unterricht genossen hatte, der Insurrectionskrieg in Ty­rol ausbrach, welcher von Neuem sein« Aussicht sperrte. Sch. war an der Konskriptionspflichtigkeit, und hatte zu gewärtigen, wenn er jene abwartete, dem Heere auf eine volle Diensteszeit einverleibt zu werden. Um diesem auszuweichen, wählte er, in der Hoffnung, daß er bald wieder seiner Kunst leben dürfe, den kürzern Weg, und trat auf Kriegsdauer dem so eben errichteten Korps Freiwilliger Jäger bei, in deren Mitte er den Feldzug bestand. Als dieser beendigt, und das Schützenkorps, bei dem Sch. diente, aufgelöst wurde, konnte er eine Offiziersstelle im stehenden Heere erhalten; doch Sch., nur für die Kunst glühend, lehnte die militärische Anstel­lung ab, und verfolgte mit neuem Muthe die vorige Bahn.

Die Kunst hatte eben eine neue Richtung gewonnen; sie fing wieder an, auf das Ernstere, und in ihrer Bedeutung Tiefere zurückzukehren, aus dessen Sphäre sie durch die jüngstvergangenen Jahrhunderte gedrängt worden war. Noch stritt das Alte mit dem Neuen. Sch., ein eifriger Anhänger dieses letzteren, glaubte ihm in stiller Zurückgezogenheit am beßten folgen zu können, und versuchte nun sich selbst auszubilden.

In dieser Abgeschiedenheit, von manchen Leiden und schweren Müheseligkeiten gedrückt, malte er fast ausschließlich religiöse Darstellungen, und mit besonderer Vorliebe das Bild des Erlösers. Dieß dauerte bis zum Jahre 1819, wo Cornelius nach München kam, um die Säle der Glyptothek mit Fresken auszuschmücken. Von die­sem aufgefordert, Theil an jenen Arbeiten zu nehmen, beschäftigte er sich nun bis zur Vollendung der Glyptothek, zehn Jahre lang mit Freskomalen, wobei ihm seine früheren chemischen und physikalischen Studien wesentliche Dienste leisteten, und manches im Technischen verbessern halfen.

Hierauf besuchte er Rom, und erhielt endlich, im Februar 1821, von Sr. Majestät dem Könige eine eben erledigte Professorstelle an der königl. Akademie. Jetzt widmet er sich fast ausschließlich der Heranbildung junger Talente, trägt nach Kräf­ten zur Ausbreitung eines edlen Kunstgeschmackes bei, und freut sich im Stillen, wenn ein glücklicher Erfolg seine Bestrebungen lohnt.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


38-01-16 (Schlotthauer)